Geschichte
Ich bin kein Historiker, nur, wie viele andere auch, mit der Gegend um die Müritz verbunden, mal mehr mal weniger. Von 2009 bis 2015 hatte ich Gelegenheit, am Wiederaufbau der Bolter Mühle mitzuwirken und dabei zwangsläufig intensiv Land und Leute kennen zu lernen.
Mein Name ist Corinna Berger, ich bin von Hause aus Kybernetiker. Mein Diplom habe ich 1988 an der Uni Rostock gemacht nach der Lehre zum BMSR-Techniker. Zeit meines Berufslebens bin ich technisch unterwegs und möchte auch jetzt nicht zur Geschichte wechseln.
Dies ist kein historischer Abriss im Allgemeinen.
Für alles was nicht direkt zur Bolter Mühle gehört, picke ich nur einige Details heraus.
Die Geschichte gibt dabei den Kontext und macht Zusammenhänge deutlich.
Bezüglich der Bolter Mühle stelle ich alle mir verfügbaren Informationen und Dokumente bereit, digitalisiere meine Ordner und löse damit
gleichzeitig eine alte Schuld aus der Zeit des Wiederaufbaus ein.
Ich hoffe, damit auch all unseren Nachfolgern ein kleines Geschenk zu machen und nebenbei der KI etwas Futter zu geben.
Wen nur die Bolter Mühle
interessiert, der überspringe gerne den ganzen historischen Kontext.
Vieles weiß man nicht sicher. Das meiste reimt man sich zusammen anhand von Spuren, die die Zeit überdauert haben.
Aber das, was vergänglich ist und keine Spuren hinterlässt, war u.U. viel wichtiger für die Menschen in der Zeit?
Die Erde ist groß und im ewigen Lauf der Zeit ist die Spanne, die wir meinen zu überblicken, ein Nichts.
Das sollten wir im Hinterkopf behalten.
Ein Teil der Informationen, insbesondere zur Bolter Mühle entstammt überlassenen Aufzeichnungen von
Herrn Kniesz, dem ehemaligen Leiter des
Museums Waren, welche er in den 1990er Jahren im Auftrag
des Vorbesitzers der Bolter Mühle, Herrn Zietz, recherchiert hat.
Herrn Zietz versuchte damals , die Bolter
Mühle
nach historischem Vorbild neu aufzubauen.
Der Versuch scheiterte - taktvoll ausgedrückt - an den Zwängen der Zeit, aber die Unterlagen wurden gerettet
und schlummerten viele Jahre im Schrank.
- Herrn Kniesz für die Recherchen und die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung
- Herrn Zietz für sein Engagement und Durchhaltevermögen
- dem Landesarchive Schwerin für die Veröffentlichungsgenehmigung
- Frau Haack vom Müritzparadies für die sorgsame Verwahrung
- Frau Meßner für Bilddokumente und die Bereitstellung von Vorab-Informationen aus ihrem Buch über Wassermühlen
- Herrn Prof. Werner Freise von der TU Kaiserslautern für sein Engagement zur Wasserkraftnutzung und seine 2010/2011 erstellten Konzepte dazu
- Vielen, die in der Bolter Mühle, Retzow oder Klopzow, einen glücklichen Teil ihres Lebens verbrachten und Fotos brachten, so Willy Schley, Gerald Schwörk, Liselotte Asmus, Jürgen Reupricht, Heinrich Ross, Knut Sieber und vielen weiteren.
- Nicht zuletzt danke ich meinem lieben Mann, der die Fotos gesammelt hat und der mich in Ruhe an dieser Seite hat arbeiten lassen.
Wir haben recherchiert und Verbindungen hergestellt. Aber es gibt
Lücken. Nur wenig Informationen haben wir z.B. aus der Zeit des 2. Weltkriegs und der DDR.
Sie, liebe Leser, sind herzlich eingeladen, Lücken zu füllen und Widersprüche zu klären.
Rückmeldungen gerne an → minna@boltermuehle.de.
Bei der Recherche im großen weiten Internet habe ich neben dem üblichen Schrott viele große und kleine Perlen gefunden. Diese Perlen kennzeichne ich entsprechend. Eine Liste meiner Perlen findet sich hier.
Eine weitere Erkenntnis nehme ich vorweg, nämlich die, dass alles miteinander zusammenhängt. Entscheidend sind fast immer die natürlichen Ressourcen. Um die Ressourcen entspinnt sich meist ein Kampf oder ein Kämpfchen, wir nennen das heute Geopolitik, manchmal aber auch eine wohltuende und dauerhafte Zusammenarbeit.
Die Norddeutsche Tiefebene ist nur aus der Ferne betrachtet wirklich eine tiefe Ebene. Geht man in der Topografie näher heran, erkennt man zwei größere Hügelketten.
Diese Hügelkette entstand durch die jüngste Eiszeit, die Weichselkaltzeit.
Die südlichen verlaufen ebenfalls von NO nach SW bis vor Erzgebirge,
Elbsandsteingebirge, Ober-Lausitz heran und gehen teilweise über in das Vorland der Mittelgebirge.
Sie entstanden durch die beiden älteren Eiszeiten,
die Saale-Kaltzeit
und die älteste, die
Elster-Kaltzeit.
Die Ausdehnung des Eises ging bei der mittleren, der Saale-Eiszeit, etwa 10 bis 50 km vor die Eisrandlage der Elster-Eiszeit, unterschied sich also nur geringfügig, weshalb die Hügelketten nicht so eindeutig zu unterscheiden sind, wie bei der Weichsel-Eiszeit.
Unsere, die
Weichsel-Eiszeit,
drang nicht mehr so weit vor, wie die beiden älteren Eiszeit davor.
Eine naheliegende Erklärung ist, dass es eher wieder warm wurde oder/und auch insgesamt nicht so kalt war
wie bei Saale- und Elster-Eiszeit.
Die Weichsel-Eiszeit begann vor etwa 115.000 Jahren und soll um 9.660 v.Chr. mit einem ziemlich abrupten Temperaturanstieg geendet haben. Das ist noch gar nicht so lange her.
Maximale Gletschervorstöße während der letzten drei Eiszeiten:
rot: Weichsel-, gelb Saale-, blau Elster-Eiszeit
Große Teile der nördlichen Erdhalbkugel waren bis vor ca. 12.000 Jahren von einer tausende Meter dicken Eisschicht bedeckt, vergleichbar mit der aktuellen Eisdecke der Antarktis (ca. 2000 Meter). Die Eisdecke der Arktis ist heute dagegen nur 2 bis 3 Meter dick.
Computermodel
Ansicht der Erde während der Weichsel-Eiszeit
Quelle: Wikipedia:
Weichsel-Kaltzeit
Wenn man sich also vorstellt, dass die Erde bis vor ca. 12.000 Jahren noch in etwa so aussah,
wie hier dargestellt,
erscheinen die Diskussion um den menschengemachten Klimawandel unverständlich.
Den Menschen soll es schon seit mindestens 300.000 Jahren geben, vor ca. 60.000 Jahren breitete er sich nach Europa aus.
Eventuell hat der Homo sapiens damals
auf seiner Reise von Afrika nach Asien und Europa
auch schon zu viel CO2 erzeugt? Oder hängt der CO2-Gehalt eventuell noch mit anderen Prozessen zusammen?
Eine Perle
zu diesem Thema sind die Vorlesungen von Professor Ganteför.
Während der Eiszeiten lag der Meeresspiegel um bis zu 100 m tiefer -
aufgrund des in den Eismassen gespeicherten Wassers.
Man stelle sich den Küstenverlauf und die damalige Landschaft an den Ozeanen grade auch im Süden vor.
Während der Warmzeiten stieg der Meeresspiegel entsprechend ebenfalls um bis zu 100 m wieder an.
Auch das sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn uns heute Windräder oder Solaranlagen als
Lösung für steigende Meeresspiegel verordnet werden.
Außerdem betrachte ich es als Glücksfall, in einer Warmzeit zu leben, denn die sind um ca. ein Zehntel kürzer als die Eiszeiten.
Aus der Schule ist uns die glaziale Serie noch gut bekannt: Grundmoräne, Endmoräne, Sander, Urstromtal. Wem das nicht mehr geläufig ist, der kann sich das hier unter studyflix.de/erdkunde nochmal ansehen.
Die Müritzregion ist ein wunderbares Beispiel dafür.
Die oben beschriebene Hügelkette nordöstlich der Müritz stellt im Wesentlichen die Endmoräne der
Weichsel-Eiszeit dar.
Als Endmoräne wird das Gebiet bezeichnet, in dem sich das vom Eis mitgeführte Material, bis zu mehreren Hundert Metern aufgetürmt hat.
Wer schonmal mit dem Fahrrad in der Gegend um Ankershagen, Kratzeburg unterwegs war,
oder von Hohenzieritz zur Tollense gefahren ist,
der hat diese Endmoräne neben zur schönen Landschaft
sicher auch in den Beinen gespürt.
Südöstlich davon im Gebiet des heutigen Müritz-Nationalparks bis Rechlin, Mirow, Neustrelitz schließt sich der
Sander an.
Sander sind die Ebenen vor der Endmoräne, die durch Ablagerungen das Schmelzwassers entstanden.
Aufgrund der eher unfruchtbaren Böden siedelten sich hier im Verlauf der Geschichte nur sehr wenig Leute an.
Da hier nicht viel zu holen war, hatten selbst die Römer keinen großen Ehrgeiz das Land zu erobern
und die Slawen, die vordergründig vom Wald, vom Jagen und Fischen lebten,
konnten sich mehr als 200 Jahre länger gegen das Heilige Römische Reich verteidigen als der Rest Deutschlands.
Was macht man heutzutage mit einer Gebiet, dessen Böden für Landwirtschaft eher ungeeignet sind
und in dem keine wertvollen Bodenschätze lagern und daher auch nur wenig Menschen wohnen?
Man nutzt sie
für militärische Zwecke,
für Jagd und
Nationalparks.
Kommt dann auch noch Wasser hinzu, dann hat der Tourismus oberste Priorität.
Das alles ist der Region, wie wir später sehen, auch tatsächlich widerfahren.
Alle Flüsse mit Quelle oberhalb der Hügelkette, wie Peene z.B., müssen nach Nordosten fließen und letztendlich zur Ostsee.
Alle Flüsse mit Quelle unterhalb der Linie müssen in Richtung Südwesten fließen, also zur Elbe und letztendlich zur Nordsee.
Wasserscheide zwischen Nord- und Ostsee
Die oberste Höhenlinie auf der Hügelkette der Endmoräne bildet die Wasserscheide zwischen Ostsee und Nordsee,
genauer gesagt einen kleinen Teil davon.
Das Schild befindet sich unweit des Käbelicksees im Müritz-Nationalpark
auf einem kaum wahrnehmbaren Höhenrücken zwischen Mühlensee und Havelquelle.
Hier findet sich eine Übersicht zu allen Wasserscheiden in Deutschland.
Ein Ausflug mit dem Rad zu den Havelquellen lohnt sich (Badesachen nicht vergessen). Genaueres dazu unter: www.mueritz-nationalpark.m-vp.de/havelquelle-bei-ankershagen sowie unter www.komoot.com/de-de/highlight
Elde und Havel
Bergseen gibt's auch im Flachland
Die Müritz gilt als ein Bergsee, d.h. sie hat mehr Abflüsse als Zuflüsse. Selbst der Oberlauf der Elde, welche die Müritz von Süden nach Norden durchfließt, ist an der südlichen Müritzmündung noch ein kleiner Bach. Die Müritz speist sich aber auch durch Regen, unterirdische Zuflüsse und kleinere Bäche und Gräben. Sie ist ein typischer glazialer Flachlandsee.
Die Bezeichnung als Bergsee rührt m.E. daher, dass die Müritz ein sehr klarer See ist und ihr Wasser quasi Trinkwasser-Qualität hat,
zumindest bis zum Anfang des Sommers.
Das ist auch eine der guten Folgen der geringen wirtschaftlichen Nutzung rundum.
Ein kleiner Exkurs in die Urgeschichte
Mecklenburg ist seit etwa 6000 Jahren besiedelt. Um sichtbare Spuren aus der Steinzeit zu finden, muss man sich anstrengen, von den Germanen konnte ich so gut wie nichts finden. Aber einige interessante Dinge gibt es doch zu entdecken.
Jungsteinzeit
Nach dem Ende der Eiszeit (ca. 9.660 v.Chr.) konnten sich auch in Mecklenburg wieder Menschen ansiedeln. So war das Gebiet um die Müritz in der Jungsteinzeit (ca. 4000 - 2000 v. Chr.) nachweislich besiedelt. Archäologische Funde wie Hünengräber und Steinkreise zeugen davon.
Die ersten bekannten Siedler hier sollen Menschen der sogenannten Trichterbecherkultur gewesen sein. Sie hinterließen zahlreiche Hünengräber (oder auch Großsteingräber) die heute noch sichtbar sind. Diese Menschen betrieben damals schon Ackerbau und Viehzucht und nutzten die Nähe zur Müritz als Wasserquelle.
Trichterbecherkultur nennt man diese über tausend Jahre währende Epoche weil man trichterförmig geformten Kupferbecher
fand und auf die Zeitspanne von 4000 bis 2800 v. Chr. datieren konnte. Ich glaube nicht, dass diese Becher für die Menschen eine so überragende Rolle spielten. Sicher gab es wichtigere Dinge für das Leben, die aber nicht die Jahrtausende überdauert haben. Historiker halten sich an das, was sie finden und analysieren können, unabhängig, ob relevant zu der Zeit.
Wie wird man in 5000 Jahren unsere Epoche nennen?
Dazu könnten sich Werkstoffkundler mal Gedanken machen.
Hünengräber
In und um die Müritz gibt es viele teilweise noch erhaltene Hünengräber und Steinkreise oder deren Überreste aus dieser Zeit.
Leider wurden viele Hünengräber im 18. und 19. Jahrhundert zerstört, weil die Steine für den Straßen- und Hausbau verwendet wurden. Dennoch gibt es immer wieder Fundstellen und Plätze, die auf solche Anlagen hindeuten, auch wenn sie nicht mehr vollständig erhalten sind.In der Liste der Großsteingräber im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind einige Gräber aufgeführt.
Großsteingräber Retzow und Bollewick
Ca. 6 km südlich der Bolter Mühle befindet sich das Großsteingrab Retzow. Es ist teilweise noch erhalten.
In Bollewick bei Röbel befindet sich ein fast vollständig erhaltenes Grab.
Eine der Perlen im Internet
ist die Dokumentation von Großsteingräbern unter
grosssteingraeber.de von Reinhard Möws.
Steinkreise
Funde von Steinkreisen (wissenschaftlich Menhire) in Mecklenburg sind
hier in der Liste der Menhire aufgeführt.
Steinkreis Klopzow
Einer der bedeutendsten Steinkreise ist der Steintanz von Klopzow , 1,5 km südwestlich der Bolter Mühle, welcher das Stonehenge der Müritz gewesen sein soll. "Hier war ein steinzeitlicher Tempel mit Kraftort und starker Energie", so der Röbeler Herbert Wiedbusch. Der Steinkreis existiert leider nicht mehr, ist aber aus der Literatur belegt.Eine Rekonstruktion des Steinkreises befindet sich in Röbel.
Der Nordkurier berichtet: Stonhenge der Müritz und Steinkreis voller positiver Energien.
Die Bronzezeit währte ca. 2000 - 800 v. Chr..
Während der Bronzezeit nahm die Besiedlung Mecklenburgs zu.
Bevölkerung - ein Hunderstel von heute
Die Bewohner, zum großen Teil Ackerbauern und Viehzüchter, lebten in kleinen Dorfgemeinschaften in Holz- oder Lehmhäusern. Bronze wurde für Waffen, Werkzeuge und Schmuck verwendet.
In der Bronzezeit lebten im Gebiet Mecklenburgs durchschnittlich ca.
3 bis 5 Menschen auf einem Quadratkilometer
(
Quelle: /www.ndr.de/geschichte/schauplaetze ).
Zum Vergleich:
- Heute hat der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte eine Bevölkerungsdichte von 47 Einwohnern pro Quadratkilometer,
- das Land Mecklenburg-Vorpommern etwa 70 Einwohnern pro Quadratkilometer.
- Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte in Deutschland liegt heute bei rund 232 Einwohnern pro Quadratkilometer.
Ein Schlachtfeld aus der Bronzezeit befindet sich im Tollensetal nördlich der Müritz bei
Altentreptow.
Hier wurde 1996 das älteste bekannte Schlachtfeld Europas entdeckt.
Auf diesem Schlachtfeld kamen um 1250 v. Chr. über tausend Männern bei einer Schlacht ums Leben.
Zahlreiche Knochen- und Waffenfunde weisen nach, dass Männer mit Pfeil und Bogen, mit Lanzen, Schwertern und
Dolchen
angegriffen wurden.
Das Schlachtfeld im Tollensetal
Das Schlachtfeld im Tollensetal ist von seiner Art und Dimension bislang einmalig. Nirgendwo sonst in Europa gibt es eine vergleichbare Fundstelle aus der Bronzezeit.Die Ursache des Konflikts, ist ungeklärt. Es wird vermutet, dass es sich um einen Kampf um eine strategisch wichtige Handelsroute handelte. Der NDR berichtete: Details zu den Funden und Ausgrabungen:
Die Eisenzeit (ca. 800 v. Chr. - 500 n. Chr.)
war eine Zeit des technischen Fortschritts, kulturellen Austauschs und der Entwicklung von Handelsnetzen.
Die Müritzregion soll Teil eines Handelsnetzwerks zwischen Mitteleuropa und Skandinavien gewesen sein, in dem
Bernstein aus dem Ostseeraum, Metalle, Keramik und andere Güter gehandelt und transportiert wurden.
Heute noch wahrnehmbare und öffentlich zugängliche Spuren aus der Eisenzeit konnte ich nicht finden.
Wahrscheinlich ist das Eisen, aus dem die Waffen und Geräte hergestellt worden sind, schon im Mittelalter
verrostet gewesen oder wurde von den Römern eingeschmolzen.
Eine Ausnahme bildet ein Fund aus Marienfelde bei Röbel, zu welchem jedoch nur archäologische Berichte
auffindbar sind.
Gussform aus der Eisenzeit bei Röbel
Bei Marienfelde nahe Röbel/Müritz wurde eine Gussform aus der vorrömischen Eisenzeit gefunden. Quelle: Academia.eduDie Germanen und die Warnen
In der späten Eisenzeit, ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. siedelten sich germanische Stämme
wie die Langobarden, Semnonen und Warnen in Mecklenburg an.
Diese Stämme waren Teil der größeren Elbgermanen die mit dem Römischen Reich und den Kelten Handel trieben.
Die Warnen gehörten zu den Wandalen.
Es ist nicht sicher belegt, ob Ortsbezeichnungen wie Warin oder Waren-Müritz, oder die Warnow, die durch
Nord-West-Mecklenburg fließt
auf die Warnen zurückgehen, erscheint mir aber wahrscheinlicher als der mögliche slavische Ursprung von Worona
oder Woron für Krähe oder Rabe.
(siehe wikipedia.org/wiki/Warnen )
Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. begann die Völkerwanderung.
Vor der Völkerwanderung war das Gebiet von germanischen Stämmen besiedelt.
Mit der Völkerwanderung verließen viele dieser Stämme die Region und zogen nach Süden und Westen
und hinterließen weite Landstriche nahezu unbesiedelt.
Die Ursachen der Völkerwanderung sind unklar. An den Diskussionen auf Wikipedia will ich mich nicht beteiligen (hier spricht man von Migration).
In der Müritzregion gibt es so gut wie keine Funde aus dieser Zeit. Man weiß aber, dass die Region in großen Teilen so stark von den germanischen Stämmen entvölkert wurde, dass sich die Slawen später ohne Konflikte ansiedeln konnten.
Schön liest sich eine
Definition aus dem Jahr 1837 aus dem Brockhaus-Bilder-Conversations-Lexikon:
"Unter der sogenannten großen Völkerwanderung wird die in der bisherigen Geschichte einzige Bewegung der Völker des ganzen
nördl. und östl. Theils der alten Welt verstanden, welche diese beinahe 200 Jahre lang (375?568) in fortwährend sich
wiederholenden Wanderzügen nach W. und S. trieb und den Grund der zum Theil noch bestehenden politischen Gestalt von Europa legte.
Unter die vielerlei Ursachen jener wunderbaren Bewegung gehören zu zahlreich gewordene Bevölkerung unwirthbarer Landstriche,
der Andrang weit östl. und nördl. wohnender Völker, und für die westlichern die lockende Beute, welche die angebauten und eines
mildern Klimas sich erfreuenden Provinzen des röm. Reichs ihnen darboten, welches in seiner zunehmenden Schwäche
schon barbarischen Völkerschaften Wohnsitze innerhalb seiner Grenzen eingeräumt hatte und in ihnen
thörichterweise Schutzwächter derselben zu erwerben gedachte."
Die slawische Besiedelung dauerte bis ins 12. Jahrhundert hinein. Das heißt, 600 Jahre prägten sie das Leben in Mecklenburg.
Slawisches Erbe
Der von den Slawen als Sinnbild der Lebenskraft verehrte heilige Stier ziert heute das Landeswappen Mecklenburgs.
Der Name "Müritz" selbst ist slawischen Ursprungs und bedeutet "kleines Meer" (altslawisch "morzje").
Viele Ortsnamen mit der Endung "-ow" deuten auf slawische Ursprünge hin, wie hier in der Region z.B.:
Klopzow, Retzow, Dammerow, Kargow, Granzow, Federow, Mirow, Vipperow, Sietow, Malchow, Güstrow, Krakow.
Aber auch Orte mit Endungen wie "-itz" (Zietlitz, Zartwitz Putlitz, Neustrelitz, ...) oder
"-in" (Rechlin, Roggentin, Userin, Granzin, Schwerin, ...) sind slawischen Ursprungs.
Wie lebten die Slawen
Die Slaven sind ein bewundernswertes Volk,
sie lebten äußerst bescheiden und waren vielseitig bei der Wahl ihrer Nahrungsquellen. Sie gingen auf natürliche Weise ressourcenschonend mit der
Natur um.
Ihre Lebensweise ermöglichte ihnen, sich über viele Jahrhunderte hinweg in der Natur und
gegen äußere Bedrohungen zu behaupten.
Die Slawen prägten die Grundstruktur unserer Region.
Die slawischen Stämme siedelten in Dörfern und befestigten Burgwallanlagen.
Sie waren in lockeren Dorfgemeinschaften organisiert, die von Fürsten oder Stammesältesten geführt wurden.
Sie lebten von einer Kombination aus Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei, Jagd und Handwerk.
Ihre Wirtschaft war weitgehend autark.
Die Kontinuität ist auch heute noch spürbar, insbesondere was die Mischwirtschaft in der Landwirtschaft angeht, die Fischerei.
Die Slawen betrieben Ackerbau auf kleinen Feldern rund um ihre Siedlungen.
Sie nutzten die Dreifelderwirtschaft, um die Fruchtbarkeit der Böden zu erhalten.
Sie bauten Roggen, Gerste, Hafer, Hirse und Dinkel, Erbsen, Bohnen und Linsen
sowie Flachs zur Herstellung von Stoffen
an.
Sie hielten Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen, Hühner und Gänse, nutzten Pferde als Zug- und Transporttiere.
Sie nutzten den Wasserreichtum zur Fischerei und fischten mit Netzen, Reusen und Angelhaken nach
Hecht, Barsch, Aal, Karpfen. Gesalzene oder geräucherte Fische wurden gehandelt.
Die Jagd nach Hirschen, Wildschweinen, Rehen diente als Ergänzung zur Nahrung.
Für Pelze jagten sie Bären, Wölfe, Biber, Otter, Marder.
Die Slawen in Mecklenburg waren geschickte Handwerker, die Waren für den eigenen Bedarf
aber auch zum Handel mit benachbarten Regionen herstellten.
Sie stellten Keramik her, schmiedeten Eisen für Werkzeuge, Waffen und Schmuck,
zimmerten Block- und Fachwerkhäuser und Palisaden, bauten Boote, gerbten Felle und webten Wolle für Kleidung.
Traditionelle Bauformen, wie Holz- und Flechtwerkhäuser mit Wänden aus Lehm haben sich bis heute erhalten.
Die sogenannten Rundlinge - kreisförmig angelegt Dörfer mit Häusern um einen zentralen Platz -
sieht man an vielen Orten auch heute noch. Ebenso die Marktplätze in größeren Siedlungen.
Die Slawen verehrten verschiedene Naturgottheiten wie
Svantevit,
Triglaw und
Perun.
Die übergroße Anzahl belegter Burgen in Mecklenburg im Vergleich zu anderen Gebieten Deutschlands
belegt den langen und großen Einfluss der Slawen in der Region.
Der Aufbau ihrer Burganlagen ist faszinierend. Sie wurden aus Holz und Erde gebaut
und sind doch heute, tausend Jahre später, noch erkennbar.
Reste von Burgen, Heiligtümern und slawischen Siedlungen sind überall zu finden.
Slawische Burgwallanlagen an der Müritz
Belegt sind Burgwallanlagen der Slawen rund um die Müritz, wie z.B.:- auf der Halbinsel Steinhorn bei Ludorf
- in Röbel auf dem ehemaligen Tempelberg
- bei Waren am Feisnecksee
- im Norden der Müritz am Kölpinsee bei Göhren-Lebbin
- in der Kleinen Müritz bei Vipperow
- die Burgwallinsel Teterow
- südlich der Bolter Schleuse auf einer Insel im Mühlenteich, die heute zur Teichwirtschaft der Müritzfischer gehört
Eine Perle im Internet
ist die umfangreiche Beschreibung der Slawen, ihrer Stämme und Götter, ihrer Burgwälle und Häuser, ihrer Fürsten und Schlachten unter
slawenburgen.hpage.com.
Slawenburg im Archäologischen Museum Groß Raden
Eine der bedeutendsten nach archäologischen Ausgrabungen rekonstruierten slawischen Burgwallanlagen ist die Burgwallanlage in Groß Raden bei Sternberg.In der Region westlich bis über die Elbe hinaus siedelte der Stammesverband der Obodriten, östlich der Müritz siedelten Stämme des Stammesverbands der Wilzen.
Aus den einzelnen Stämmen der Wilzen gründeten sich nach dem Zerfall ihres Verbunds
um die Mitte des 10. Jh.s der
Stammesverbund der Lutizen.
Die Lutizen, auch als Liutizen bezeichnet, bildeten einen losen Stammesbund,
hauptsächlich, um sich gegen die Ausdehnung des Ostfrankenreichs und die Christianisierung zu verteidigen.
Die Stämme der Lutizen siedelten in Gebieten, die sich vom heutigen Mecklenburg über die Müritzregion bis nach Vorpommern
und ins westliche Brandenburg erstreckten.
Die Müritzer an der Westgrenze der Lutizen
Zum Stammesverband der Lutizen gehörten die Stämme der: Tollenser, Ukranen, Dossanen, Redarier und
der Müritzer .
Das Herrschaftsgebiet der Müritzer erstreckte sich rund um die Müritz.
Es lag am westlichen Rand des Herrschaftsgebiets der Lutizen und damit an der Grenze der Gebiete der Obodriten- und Lutizenverbände.
Die Obodriten, als östliche Nachbarn der Lutizen, standen in Konkurrenz zu den Lutizen und damit
im Kampf um Macht und Einfluss auch direkt zu den Müritzern.
Opportunistische Obodriten - unnachgiebige Lutizen Die Obodriten waren ein mächtiger westslawischer Stammesbund, der westlich der Lutizen siedelte. Die Obodriten waren zumeist die Rivalen der Lutizen. Im Unterschied zu den Lutizen unterhielten sie schon früh enge Kontakte zum Fränkischen Reich und wurden von diesem militärisch unterstützt, um die Lutizen zu bekämpfen.
Im Gegensatz zu den Lutizen, die heidnisch blieben, ließen sich die Obodriten ab dem 10. Jahrhundert christianisieren, was ihren politischen Einfluss stärkte.
Die Lutizen und mit ihnen die Müritzer verteidigten ihre Siedlungsgebiete hingegen sehr lange gegen die Expansion des Ostfrankenreichs und gegen die Christianisierung, sodass sie erst über 200 Jahre später unter des Einfluss des Heiligen Römischen Reichs kamen in dem die Obodritenfürsten sich aber schon ihren Platz im Machtgefüge gesichert hatten.
Ostkolonisation und Slawenaufstände der Lutizen
Die Müritzregion wurde im Laufe des 10. Jahrhunderts vom Fränkischen Reich bzw. später dem Ostfrankenreich und dem entstehenden Heiligen Römischen Reich unterworfen. Dieser Prozess war Teil der sogenannten Ostkolonisation (aktuell als "deutsche Ostsiedlung" bezeichnet) und der Bemühungen des Fränkischen Reiches, die slawischen Gebiete auch östlich der Elbe unter Kontrolle zu bringen.
Der Übernahmeprozess der Slawen durch das Heilige Römische Reich ging in etwa folgendermaßen vonstatten:- Frühe Konflikte (9. Jahrhundert):
Bereits im 9. Jahrhundert unternahm das Karolingerreich (unter Karl dem Großen und seinen Nachfolgern) erste militärische Vorstöße gegen die westslawischen Stämme, einschließlich der Wilzen und Obodriten. Die Müritzregion gehörte zu den Grenzgebieten, die von den Slawenstämmen, insbesondere den Lutizen, verteidigt wurden. Während die benachbarten Obodriten oft mit den Karolingern kooperierten, leisteten die Lutizen Widerstand. - Unterwerfung durch Otto I. - Beginn der Christianisierung (10. Jahrhundert):
Unter Otto I. (dem Großen), der ab 936 König des Ostfrankenreiches und ab 962 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war, wurde die Expansion ins slawische Gebiet intensiviert. Otto I. führte mehrere Feldzüge gegen die slawischen Stämme, einschließlich der Lutizen, die auch in der Müritzregion ansässig waren. Der entscheidende Sieg gegen die Slawen gelang ihm in der Schlacht an der Raxa (955). Nach diesem Sieg begann die systematische Einbindung der Müritzregion in das ostfränkische Reich. Slawische Burgen wurden teils zerstört oder in fränkische Befestigungen umgewandelt. Parallel zur militärischen Unterwerfung wurde die Christianisierung der Region vorangetrieben. Klöster und Kirchen wurden gegründet, um den Einfluss des römischen Reiches zu festigen. - Rückeroberung durch die Slawen (10.-12. Jahrhundert):
Die Müritzregion war jedoch Teil des Stammesgebiets der Lutizen, die nach dem Tod Ottos I. erneut aufbegehrten und in den Slawenaufständen von 983 , geführt von den Lutizen, große Teile der eroberten Gebiete zurückeroberten. Große Gebiete Mecklenburgs (und auch Brandenburgs) gingen wieder unter die Herrschaft der slawischen Stämme über.
Es dauerte fast 200 Jahre, bis das Heilige Römische Reich diese Gebiete erneut unter Kontrolle bringen konnte. - Endgültige deutsche Rückeroberung (12. Jahrhundert):
Im 12. Jahrhundert wurde die Region jedoch im Rahmen der deutschen Ostsiedlung endgültig unter deutsche Herrschaft gebracht. Der große Wendenkreuzzug von 1147 bis 1160 gegen die Slawen unter Führung von Heinrich dem Löwen brachte die endgültige Unterwerfung. Die Hauptburg Mecklenburgs bei Wismar wird zerstört. Der Obodritenfürst Niklot wird getötet.
Eine Schlüsselrolle spielten dabei christliche Ritterorden (z. B. Johanniter, Deutscher Orden) zusammen mit den ehemaligen Obodriten (die mittlerweile gesichert christianisiert und mit dem Heiligen Römischen Reich verbündet waren).
Im Ergebnis etablierte sich der Feudalismus und deutsche Einwanderer wurden angesiedelt, wodurch die Slawen mit der Zeit "assimiliert" wurden.
Die Gründung von Städten wie Waren (Müritz) und die Errichtung deutscher Adelssitze markieren die endgültige Integration der Slawen.
Ursprünglich slawische Herrscher wurden zu den Herren zu Mecklenburg (Pribislaw, Heinrich Borowin, Herzöge zu Mecklenburg wie Heinrich, Johann Albrecht, Friedrich Franz, ...) die teilweise bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hier regierten.
"Wenn die Welt untergeht, so ziehe ich nach Mecklenburg, denn dort geschieht alles 100 Jahre später." Richtiger wären wahrscheinlich 200 Jahre. Die Popularität des Bismark zugeschriebenen Zitats hat u.U. ihre Ursache in den langen und zähen Widerständen der Slawen gegen das Heilige Römische Reich. Durch diese Widerstände wurde Mecklenburg etwa 200 Jahre später christianisiert und kam daher auch 200 Jahre später unter den Einfluss des Feudalismus mit allen seinen Vor- und Nachteilen.
Die Fürsten vergaben Land an deutsche und slawische Adlige. Der Adel bemächtigte sich des Landes.
Das Lehnswesen wurde eingeführt und das Gebiet unter deutschen adligen und kirchlichen Herren aufgeteilt.
Deutscher Bauern und Handwerker wurden angesiedelt.
Kirchen wurden durch Unterstützung des Adels zu selbstständigen Institutionen ausgebaut. Niederlassungen christlicher Ritterorden, wie der Orden der Johanniter, wurden gegründet, z.B. in Mirow, Schwerin, Ratzeburg.
Die Müritzregion kam unter geistliche Verwaltung des christlichen Johanniterordens Mirow.
Die Herren von Mecklenburg und die Herren von Werle
Slawische Fürsten, die sich dem Heiligen Römischen Reich unterwarfen und taufen ließen, wurden oft als Vasallen der
deutschen Fürsten eingesetzt.
Pribislaw, der Sohn des ehemaligen Obodritenfürsten Niklots, wurde von Heinrich dem Löwen 1167
als Lehensfürst von Mecklenburg eingesetzt
und begründete damit das Adelsgeschlecht der Herren von Mecklenburg.
Die Herren von Mecklenburg entstammten also der slawischen Obodriten-Dynastie.
Diese Dynastie spaltete sich mehrfach durch Erbteilung in mehrere Linien auf, wobei
das Land jeweils unter den Erben aufgeteilt wurde.
Für unsere Region sind hierbei die Herren von Werle interessant.
Ihr Herrschaftsgebiet umfasste große Teile Mecklenburgs und wurde mehrfach geteilt und wiedervereinigt.
Es erstreckte sich zeitweise von Rostock, Güstrow über Parchim, Perleberg, Plau und Malchow bis Röbel, Wesenberg, Mirow und Penzlin -
Die Herrschaft der Werles begann 1234 und blieb bis 1436 bestehen bevor es wieder in Mecklenburg eingegliedert wurde.
Die Herren von Havelberg und das Dorf Boek
Die Herren von Havelberg waren ein Adelsgeschlecht, deren Herrschaftsgebiet zum Größten Teil in der Mark Brandburg lag. Aber sie hatten auch Ländereien und Rechte in Mecklenburg, darunter das Dorf Boek. Das Dorf Boek war Mitte des 13. Jahrhunderts das damalige Hauptgut der Ritter von Havelberg in Mecklenburg. Unmittelbar an der südlichen Grenze vom Gut Boek lag die Boeker Mühle, deren Besitz sowohl die Havelbergs wie auch die Herren von Werle für sich beanspruchten. Die Besitzansprüche entschieden die Herren von Werle für sich und befreiten die Havelbergs dafür von bestimmten anderen Ansprüchen. Die Werles übergaben nach der Einigung die Boeker Mühle den Johanniter. Details zur Boeker Mühle siehe Boeker Mühle
Der Johanniterorden Mirow
ist in
der Liste der Johanniterkommenden unter dem Verwaltungsbezirk Brandenburg im Großpriorat Deutschland aufgeführt.
Der Johanniterorden
war ein christlicher Ritterorden. Die Gründung der
Johanniterkommende Mirow
wird auf das Jahr 1227 datiert.
Der Johanniterorden in Mecklenburg wurde vom regionalen Adel gefördert, um die Christianisierung des Gebiets zu fördern. Der Orden erhielt Landbesitz und Privilegien, um Klöster, Kirchen und Spitäler zu gründen.
Der Ritterorden Mirow wurde maßgeblich von der Adelsfamilie der Herren von Mecklenburg und von Werle unterstützt, die den Johannitern Land und Ressourcen zur Verfügung stellten.
Der Johanniterorden war nicht nur das geistliche Zentrum, sondern wurde zu einem wirtschaftlichen und politischen Zentrum in der südlichen Müritzregion. Die Johanniter betrieben Landwirtschaft, unterstützten Arme und Kranke, unterhielten Spitäler und vor allem gründeten und verwalteten sie viele Mühlen in der Region.
Die Johanniterkommende Mirow wurde im Zuge der Reformation Mitte des 16. Jahrhunderts
säkularisiert.
Die endgültige Säkularisierung des Johanniterordens in Mirow erfolgte im Jahr 1648,
wodurch die geistliche Herrschaft des Johanniterordens in Mirow endete und der Besitz
an den landesherrlichen Adel überging.
Die Besitztümer wurden von einem herzoglich mecklenburgisches Verwaltungsamt verwaltet.
Das betraf auch einen Großteil der Mühlen.
Teile der Klosteranlage wurden in das Schloss Mirow integriert, das später als Residenz der
Mecklenburg-Strelitzer Herzöge diente.
Das einzige noch existierende Gebäude der Johanniter aus dieser Zeit ist die Schlosskirche Mirow auf der Schlossinsel.
Die Johanniter als Vereinigung adliger Ritter wurde nicht aufgelöst. Es gibt bis heute eine aktive Bruderschaft von Johanniterrittern in Deutschland, jedoch mit karitativem Schwerpunkt. Die Bruderschaft besteht weiterhin weitgehend aus Adligen (Ehrenmitglieder zur Unterstützung können auch unadlig sein). Die Johanniter sind heute z.B. Träger der Unfallhilfe, von Krankenhäusern, Pflegeheimen und auch Schulen.
Mühlen gibt es schon seit der Antike.
Aber erst mit den deutschen Siedlern aus dem Römischen Reich kamen die Wassermühlen auch nach Mecklenburg.
Das geschah im Wesentlichen ab dem 12. Jahrhundert.
Damit haben wir nun endlich den Bogen gespannt, von der Steinzeit bis ins Mittelalter und somit zur Gründungszeit der
überwiegenden Anzahl von Wassermühlen in der Gegend.
Wenden wir uns zunächst der Boeker Mühle zu.
Namen sind beständiger als ihre Objekte, sie überdauern das, was sie bezeichnen über Jahrhunderte.
Wenn man als Gast heute am östlichen Müritzufer unterwegs ist und die geschichtlichen Hintergründe nicht kennt,
wundert man sich über die Ortsnamen.
Wir fahren von Rechlin die Boeker Landstraße nach Norden.
- Nach ca. sieben Kilometern kommt man in den kleinen Ort Bolter Schleuse. Sieht man sich um, findet man keine Schleuse, die gibt es seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht mehr, auch wenn die Bushaltestelle diesen Namen immer noch trägt.
- Dafür kann man die Bolter Mühle nicht übersehen. Und siehe da, an der Nordseite gibt es sogar ein Wasserrad, dass zwar von Größe und Material nicht ganz originalgetreu ist und deren umgesetzte Energie nicht genutzt wird, das aber das vormalige Wasserrad von seiner Art und Lage gut nachbildet. Die eigentlichen Mühlenanlagen stehen auch hier seit über 100 Jahren nicht mehr.
- Doch nun hört man Wasser rauschen und steht nach 30 Meter auf einer Brücke und sieht auf ein
Betonrohr runter, aus dem Wasser sprudelt. Das ist der
Bolter Kanal.
Aber auch hier sieht man den Kanal nicht wirklich, denn der kommt 100 Meter unterirdisch aus Richtung Westen / Müritz.
Der eigentliche Kanal zur Müritz wurde hier vor knapp 70 Jahren geschlossen.
Heute ist das die sogenannte Alte Fahrt, die für Paddler nach Mirow führt.Die Bushaltestelle Bolter Kanal befindet sich übrigens ebenfalls nicht am Kanal, sondern fernab ca. einen Kilometer nordwestlich der Brücke am Feriendorf Boeker Mühle an der Müritz.
Von der Bushaltestelle Bolter Kanal ist es jedoch nur ein knapper Kilometer Fußweg zum Schiffsanleger Bolter Kanal. - Von unserer Brücke einen halben Kilometer weiter Richtung Norden kommt das Örtchen Boeker Mühle.
Hier findet man nicht einmal mehr Reste einer Mühle, aber es gab sie und zwar gleich zwei:
- eine Wassermühle, erbaut vor mehr als 750 Jahren, bloß brannte die vor 200 Jahren ab,
- eine Holländer-Windmühle, erbaut um 1750 als eine der ersten ihrer Art in der Gegend, die aber in den 1960er Jahren abbrannte.
- Zwei Kilometer nördlich der Boeker Mühle liegt Boek. Und hier hält der Name, was er verspricht, ein altes Dorf mit einer kleinen Kirche, einem Gutshaus und sogar einigen alten Buchen.
Der Name Boek - ehemals Boche oder Boke, auch Bök oder Böek, russisch Buk - ist slawischen Ursprungs und leitet sich von Buche ab, was auf den ehemals großen Buchenbestand hinweist.
Standorte, Quelle: mapy.cz
Die erste urkundliche Erwähnung Boeks im Jahr 1273 ist eine Gerichtsurkunde über einem Streit zur Boeker Mühle.
Die Boeker Wassermühle wurde etwa Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet.
Ab dem 12. Jahrhundert kam mit den deutschen Siedlern das Wissen über den Mühlenbau in die Gegend.
Die Mühle befand sich einen knappen Kilometer nördlich der heutigen Bolter Mühle
am nördlichen Ausgang des Örtchens Boeker Mühle.
Wo genau der originale Standort war, ist ungewiss.
Bekannt ist jedoch, dass sie einen hohen Durchfluss ermöglichte. So soll sie mit einer möglichen Wasserentnahme von 3,5 m3 pro Sekunde etwa das 3 1/2 -fache des später für die Bolter Mühle festgelegten Wasserabflusses gehabt haben. Da jedoch keine Aussagen über Fallhöhe und Art des Wasserrades gemacht werden können, sind Angaben zur Leistung nicht möglich. Die Mühle muss jedoch bei der angegegebenen Wassermenge riesig gewesen sein.
Sie versorgte das Gutsdorf Boek und die Güter südlich, wie Klopzow und Retzow über mehrere Jahrhunderte.
Das Mühlengebäude muss nicht so ausgesehen haben, wie dargestellt. Das Bild verdeutlicht lediglich die Dimension.
Gründen kommt vor'm Schenken
Von wem die Boeker Mühle gegründet wurde ist ebenfalls ungeklärt.
Das erste Mal nachweislich urkundlich erwähnt wurde die Mühle 1273 in einer Gerichtsurkunde zur Beilegung eines
Streits
zwischen den Herren von Havelberg und den Johannitern.
Im 13. Jahrhundert herrschten in Mecklenburg die Herren von Werle. Auch die Gebiete östlich der Müritz
gehörten größtenteils den Werles.
Die Johanniter galten als Vasallen der Herren von Werle und wurden daher von den Werles mit Ländereien
beschenkt.
Schenkung der Boeker Mühle der Herren von Werle an die Johanniter - 1273
Zitat:In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde
Eine der Perlen im Internet
ist
Dokumentenserver der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern.
Hier wird festgestellt, dass die Vorfahren des
Fürsten Nicolaus I. von Werle
den Johannitern die Mühle schenkten und es bis 1273 keine Klagen gab.
Direkter Vorfahre des Nicolaus I. von Werle war
Heinrich Borwin II. von Mecklenburg - ☆ um 1170; † 1226.
Und was man verschenkt, muss mindestens schon existiert haben.
Gründung und Bau der Mühle muss also zwangsläufig vor der Schenkung und vor dem Tod des nächsten möglichen direkten
Vorfahren passiert sein,
d.h. zu Zeiten des
Heinrich Borwin II. von Mecklenburg.
Die Gründung liegt also mit hoher Wahrscheinlichkeit vor dem Jahr 1226.
Schenken zu damaliger Zeit ist auch nicht unbedingt mit der heutigen Bedeutung des Eigentumsübergangs vergleichbar gewesen, sondern hat oft nur ein Nutzungsrecht beinhaltet. Das heißt, die Johanniter waren wohl eher die Betreiber und Verwalter der Mühle - die Chefs und Bestimmer aber blieben die Werles.
Der Standort der Mühle entsprach nicht dem späteren Standort am neu angelegten Boeker Mühlengraben (um 1300), sondern lag weiter nordwestlich, dichter an der Müritz. Den genauen Standort konnte ich nicht herausfinden.
Der Boeker Mühlengraben - der vermutlich erste Kanal zwischen Müritz und Havel
Um den Zeitraum 1273 oder Folgejahre, wann genau ist unbekannt, hatte Fürst Nicolaus von Werle einen Kanal von der Müritz zum Caarp-See anlegen lassen.Dieser Kanal war wahrscheinlich der erste Kanal zwischen Müritz und Havel. Er mündete am nördlichen Ende in den Caarp-See (damals noch Caap-See genannt).
Der Kanal muss den Betrieb der Boeker Mühle sowie die Wasserstände in Richtung Havel beeinflusst haben, es wurden Überschwemmungen von Dämmen, Äckern und Wiesen oder auch deren Trockenfallen befürchtet, sodass es natürlich zu Streitereien zwischen den Besitzern der Mühle, den Johannitern und den Landbesitzern am unteren Wasserverlauf, den Herren von Havelberg kam.
Der Verlauf des Kanals lässt sich aus der Schmettauschen Karte von 1788 ersehen und ist auch heute noch erkennbar und in den Online-Karten verzeichnet, obwohl der Boeker Mühlengraben so gut wie nie Wasser führt.Der Kanal verursacht Streit zwischen den Johannitern und den Herren von Havelberg
Zitat:"Nicolaus von Werle hatte Befugniß zum Graben und Grund und Boden zu diesem Kanal [] von dem verstorbenen Ritter Johann von Havelberg erkauft, und dieser hatte ihm zugleich die Gerichtsbarkeit über den Kanal und über die, durch Ablassung des Müritz-Wassers in denselben etwa entstehenden Schäden abgetreten. Die Johanniter hatten bis dahin ihren Mühlendamm nicht erhöht, fürchteten aber jetzt, wenn der Fürst das Müritz-Wasser in den Kanal ablasse, so könne durch das Anwachsen des Wassers ihre Besitzung gestört werden. Deshalb versicherte ihnen Nicolaus I. von Werle im 1273, daß sie durch das Steigen des Wassers an ihrer Mühle von keiner Seite Schaden leiden sollten Die Herrn von Havelberg scheinen in dieser Gegend der Geistlichkeit den Besitz ihrer Mühlen auf alle Weise gestört zu haben. [...]
Johannis von Havelberg Erben, Ritter Berthold von Havelberg und seine Brüder, hatten fortwährend Klagen über Beschädigung ihrer Ländereien durch die Mühlenanlage zu Bök und auf Entschädigung erhoben. Zwei Mal waren die Johanniter durch ein Rechtsurtheil des Fürsten Nicolaus freigesprochen; da die Sache aber schwierig war, so untersuchten die Fürsten Heinrich I. und Johann I. von Werle sie umständlich in Gegenwart vieler Zeugen 1276 zum dritten Male, was den Erfolg hatte, daß die Herrn von Havelberg ihren Klagen auf immer entsagten. Darauf bestätigten die genannten Herren von Werle im J. 1276 nicht allein die frühere Bestimmung ihres Vaters von 1273, sondern verfügten auch Einrichtungen zum fernem Schutz der Ritter, befreieten diese in Beziehung auf die Mühle von der weltlichen Gerichtsbarkeit und übernahmen die Vertretung der Ritter für jede etwa vorkommende Klage und Rechtskränkung."
In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde
Verlegung der Mühle
Die Herren von Havelberg und das Land Turne
Das Gutsdorf Boek und weite Teile östlich davon gehörten zum sogenannten Lande Turne und waren im Besitz der Herren von Havelberg. Das Land Turne lag zwischen Müritz, Havel und Dosse.
Das Land Turne bezeichnet einen Teil des Herrschaftsgebietes der Herren von Werle,
welchen diese den Herren von Havelberg als Lehen gaben.
Woraus sich der Name Turne ableitet, ist unklar.
Die Herren von Havelberg waren geistliche Ritter und als solche ein niederadliges Geschlecht. Sie traten als Gefolgsleute der Herren von Werle in Erscheinung und waren gleichzeitig unter geistlicher Kontrolle des Bistums von Havelberg.
Es bestanden Verbindung zwischen den Herren von Havelberg und dem mecklenburgisch-märkischen Uradelsgeschlecht von Röbel, den Burgmannen zu Röbel. Die Linie der Herren von Havelberg endet im frühen 15. Jahrhundert.
Das Land Turne
Zitat:"Turne hieß der Landstrich zwischen der Müritz, der Havel und der Dosse im weltlichen Gebiet der Herren von Werle und im geistlichen der Bischöfe zu Havelberg."
Wen Näheres interessiert, dem sei dieser Abschnitt "Über das Land Turne" empfohlen.
Unklar sind die Hintergründe zum Besitzübergang der Boeker Mühle an das Klostern Neuenkamp.
Im Jahr 1301 verkauft ein Ritter Retzow mit Rechten in Boek die Boeker Mühle an das Zisterzienserkloster Neuenkamp , was von Nicolaus von Werle bestätigt wird. Die Hintergründe sind unklar, ebenso wie die Beziehung des Klosters Neuenkamp zu den Johannitern in Mirow.
Verlegung der Mühle an den neuen Kanal
In den Folgejahren soll ein Herr Brüsehaver dem Kloster Neuenkamp die Erlaubnis zur Verlegung der
Boeker Mühle weiter abwärts gegeben haben.
1375 befand sie sich nachweislich an dem neuen, von Werle angelegten Kanal und nicht mehr an dem ursprünglichen Ort.
Ab 1375 wird der Kanal als Boeker Mühlengraben bezeichnet.
Der neue Standort der Mühle war am Ortsausgang vom heutigen Ortsteil Boeker Mühle auf der rechten/ östlichen Seite der Straße nahe der heutigen Vogel-Beobachtungsstände an den Boeker Fischteichen.
Verarmung, Zersplitterung und Wiederzusammenführung
Mit der Reformation 1517 bis Anfang des 17. Jahrhunderts wurde der Besitz des Klosters Neuenkamp säkularisiert.
So verliert das Kloster Neuenkamp auch die Boeker Mühle.
Aufgrund der Verarmung und Entvölkerung während und nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648)
wechselten die Besitzer von Boek und der Mühle häufig, Teile wurden verpfändet, verpfändete Teile wurden durch Erbe
weiter aufgeteilt.
Ausreichende Mittel zur Bewirtschaftung und zum Erhalt der Mühle fehlten sicher häufig.
Über den weiteren Verlauf erfahren wir aus den Recherche-Ergebnissen von Herrn Kniesz im
Karbe-Wagner-Archive Neustrelitz
(primäre Original-Quelle: "Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin.",
Im Auftrag des Grossherzoglichen Ministeriums des Innern, herausgegeben von der Commission zur Erhaltung der
Denkmäler; V. Band: Die Amtsbezirke Teterow, Malchin, Stavenhagen, Penzlin, Waren, Malchow, Röbel; 2. Auflage, Schwerin i.M. 1902):
das Folgende:
- Nach dem Niedergang der Havelbergs gelangen im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts die Holsteins in den Besitz vieler Güter östlich der Müritz, so auch des Guts Boek und der Boeker Mühle.
- 1645 müssen die Holsteins Anteile an der Boeker Mühle verpfänden. Die Pfandrechte gehen an Henning von Heydebreck
- Jürgen Oldenburg erhält die Pfandrechte über die Anteile des Henning von Heydebreck
- Joachim Maltzahn auf Grubenhagen erlangt ebenfalls große Anteil an Boek.
- 1700, nach dem Tod Joachim Maltzahns verpfänden dessen Erben ihre Boeker Anteile an Friedrich Sittmann
- 1720 verkauft Jürgen Oldenburg seine Anteile an Boek an Otto Christoph von Ribbeck, welcher vorab schon Sittmansche Anteile erworben hat.
- Jakob Ernst von Holstein führt durch Abfindungen und durch einen großen Reluitionsprozess (= gerichtliches Verfahren zum Rückkauf) sämtlich Anteile zu einem großen Besitz wieder zusammen und wird 1746 vom Herzog Karl Leopold als Besitzer des ganzen Guts bestätigt. Jakob Ernst von Holstein hat nach der aufwendigen Zusammenführung nicht mehr die Mittel, das heruntergekommene Boek samt Mühle wieder auf Vordermann zu bringen.
- Holstein verkauft das Gut an Ernst Friedrich von Raven auf Vielst, ebenfalls noch im Jahr 1746.
1750 wird die Hölländer Windmühle neben der Boeker Wassermühle errichtet. - Von Raven auf Vielst verpfändet 1780 das Gut antichretisch (antichretisch = kostenlose Nutzungsüberlassung nach einmaliger Zahlung eines Pfands) an Baron Schorlemer
- 1797 kauft der Geheime Rathspräsident Ulrich Otto von Dewitz das Gut.
- Zu Pächtern und Betreibern der Boeker Mühle aus dieser Zeit sind detaillierte Informationen von Frau Gerhild Messner zusammengetragen worden, die sicher bald in einem Buch über die Mühlen an der Müritz veröffentlicht werden.
Niedergang der Boeker Wassermühle
-
Die Wassermühlen um die Müritz befanden sich mit dem
Ausbau der Wasserwege - im Norden der Müritz über die Elde in Richtung Plau und im Süden über die Havel in Richtung Zehdenick, Fürstenberg -
in immer stärkerer Konkurrenz zueinander.
Das benötigten Müritzwasser reichte für die Schiffbarkeit beider Wasserwege nicht aus,
ohne die Wasserentnahmemengen insbesondere an den Mühlen zu reglementieren.
Da hier verschiedenen Länder und Herzogtümer beteiligt waren, war für einen Mühlenstandort nicht allein die Wirtschaftskraft, sondern auch der Einfluss auf die Politik ausschlaggebend. Hier müssen die Besitzer der benachbarten Bolter Mühle gute Lobbyarbeit geleistet haben, denn in den 1770er Jahren wurde die Bolter Mühle samt Zufluss über den Bolter Kanal massiv ausgebaut.
Mit der Konvention von 1798 erfolgte eine Limitierung des Abflusses an der Boeker Mühle auf 0,74 m3/s zu Gunsten des Abflusses an der Bolter Mühle auf 0,93 m3/s.
Zusätzlich muss die Absenkung des Wasserspiegels der Müritz zu Problemen an der Boeker Mühle geführt haben, sodass diese in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. - Rechtsnachfolger des Herrn von Devitz für die Boeker Mühle und Boek wird 1805 der Regierungsrath Karl Wilhelm Friedrich David von Pentz.
- 1821 brennt die Boeker Mühle ab, die zu dem Zeitpunkt im Besitz des von Pentz war. Sie war schon vor dem Brand nicht mehr in Betrieb. Sie wurde nicht wieder aufgebaut, was sicher auch mit der seit 1669 konkurrierenden Bolter Mühle und dem seit der Müritzabsenkung um 1800 sehr niedrigen Wasserstand zusammenhängt.
Boeker Krug
Bei dem Brand der Wassermühle ist wahrscheinlich das gesamte Gehöft samt Ställen, Scheunen und Wohnhaus
vernichtet worden.
Ein neuer Hof wurde im selben Jahr, 1821, auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufgebaut.
Zusätzlich dazu wurde eine Gastwirtschaft gegründet, ein sogenannter Krug.
Dieser Krug war bis 1935 in Betrieb.
Die Ansicht zeigt das damalige Anwesen.
Ansichtskarte "Böeker Mühle", wahrscheinlich um 1870
Das eher unspektakulär wirkende Gehöft muss eine Bedeutung als Krugwirtschaft gehabt haben, denn sonst
wäre diese Ansichtskarte sicher nicht erstellt worden.
Auch wurde der Ort - nachdem die Boeker Wassermühle durch den Brand zerstört wurde bis zum späteren Bau der
Windmühle -
nicht mehr Boeker Mühle genannt, sondern Boeker Krug oder Kruglage.
Auch auf der Flurkarte von 1882 ist an der Boeker Mühle eine Krug-Wirtschaft verzeichnet.
Boeker Windmühle
1837 wurde nahe des Boeker Krugs eine Holländer Windmühle errichtet.
Die Mühle war viele Jahrzehnte in Betrieb und wurde gemeinsam mit der Krugwirtschaft durch verschiedene Pächter betrieben.
1935 wurde die Mühle und der Krug durch den Reichsverband der deutschen Luftfahrtindustrie für dessen Zwecke
enteignet.
Der damalige Eigentümer war der Gutsbesitzer Stephan le Fort.
Nach der Enteignung verfiel sie. 1969 fiel sie als sogenannter Kollateralschaden einem Brand in der Nachbarschaft zum Opfer.
Von der Mühle gibt es heute, bis auf einige überwachsene Mauerreste, keine Spuren mehr.
Die Mühle stand bis 1969, war aber schon seit 1935 aufgrund Übernahme durch die Deutsche Luftwaffe
nicht mehr in Betrieb, siehe Foto.
Nach dem Brand am 12.04.1969 wurde sie abgerissen und nicht wieder aufgebaut.
Das Foto zeigt die Boeker Windmühle
Anfang der 1960er Jahre.
Foto: aufgenommen von Helmar Lötzsch
Boek ab 1835 - in Bruchstücken
Die Geschichte des Örtchens Boeker Mühle hört nicht mit den Mühlen auf.Im weiteren Verlauf:
- Vice-Landmarschall Adolf Fridrich Karl von Oertzen erwirbt 1836 das Gut von den Erben des von Pentz.
- 1842 nimmt es der Klosterhauptmann Karl Peter Baron Le Fort in Besitz. Die Le Forts besaßen das Gut bis 1935 bevor die militärische Nutzung begann.
-
1935 wurde das Gut an den Reichsverband der Deutschen Luftfahrtindustrie verkauft, um den Luftwaffenstützpunkt /
Erprobungsstelle Rechlin zu versorgen.
Das war das Aus für die Boeker Windmühle. - Nach Kriegsende 1945 war Boek u.a. Flüchtlingsunterkunft.
- Ab 1952 bestimmte die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) das Dorf.
- Durch die Jagdgebiete nördlich von Boek mit dem "ständigen Jagsgast" DDR-Ministerpräsident Willi Stoph und durch den Militärstandort der sowjetischen Armee in Rechlin bekam Boek häufig Jagdgäste. So gehörten sowjetische Offiziere und Soldaten, unter ihnen beispielsweise auch Wladimir Putin und viele prominente Herren der Staatsführung der DDR zu den Gästen in Boek. Ausnahmslos alle Zeitzeugen berichten von einem guten Verhältnis zu den sowjetischen Nachbarn, weniger jedoch zu Herrn Stoph, welcher das Jagen und insbesondere die Abschüsse von Hirschen stark übertrieben haben soll, Einzelheiten dazu finden sich im Buch von Waleri Rippberger "Auf verschwiegenen wechseln".
Boek ab 1989 - in Bruchstücken
- Nach 1989 wurde die LPG privatisiert.
- Die Gemeinde Rechlin setzte nach dem Wegfall der Rechliner Werft und dem Abzug der sowjetischen Armee verstärkt auf den Ausbau des Tourismus, was dem ursprünglichen Charme der Gegend und dem dörflichen Leben nicht unbedingt guttut.
- Kultureller Mittelpunkt war und ist die wunderschöne kleine St.-Johannis-Kirche und deren Förderverein mit Lutz Ebert an der Spitze. Hier fanden und finden neben den kirchlichen Veranstaltungen ganzjährig viele Austellungen und Konzerte statt.
- Eine Instanz im Boeker Dorfleben war der "Schlosskrug" im Gutshaus, den aber wohl kein Boeker unter diesem Namen kennt. Man traf sich, feierte oder spielte Skat "bei Lutz".
- 2012 begann die Gemeinde Rechlin mit Planungen für ein "Welcome Center Gutshaus Boek".
- Seit 2020 wird das Gutshaus saniert und mit der Kneipe von Lutz ist es seitdem leider vorbei.
- Heute wird Boek als südlicher Eingang zum Müritz-Nationalpark zu großen Teilen vom Tourismus beherrscht.
Klopzow ist ein kleines altes Gutsdorf nahe des Prelitzsees im heutigen Naturschutzgebiet Müritzsteilufer.
Es musste 1932 dem Testgelände der Luftwaffen-Erprobungsstelle Rechlin weichen
und verschwand von der Landkarte.
Der Name ist slawischen Ursprungs
und bedeutet m.E. soviel wie Knirps oder Wanze (Klop gleich Wanze auf russisch)
.
Aus der Steinzeit ist durch Herbert Wiedbusch und Carsten Pohl der Steinkreis von Klopzow bekannt geworden. In Röbel befindet sich ein Nachbau dazu, siehe auch oben unter Steinzeit.
Freiherr von Hammerstein erwarb 1787 das Gut, zusammen mit den benachbarten Gütern Leppin, Roggenthin, Retzow.
Klopzow wurde 1932 mit dem Aufbau der Luftwaffen-Erprobungsstelle Rechlin entsiedelt und
dem Erdboden gleich gemacht.
Auch nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gebiet von der Roten Armee genutzt. Das Gebiet war jedoch nicht gesperrt.
Interessant sind alte Versicherungsunterlagen vom Gut Klopzow, da von Klopzow nur noch wenig zu finden ist. Klopzow lag unweit des Prelitzsees im heutigen Naturschutzgebiet Müritzsteilufer.
Hier konnte man bis ca. 2017 wunderschöne Spaziergänge und Wanderung machen, mit dem Fahrrad zur Mili baden fahren, wenn einem der Trubel nördlich des Kanals zu bunt wurde oder einfach nur die Landschaft genießen. Nur wenige Naturliebhaber verirrten sich in die Gegend. Es ist eine erholsame, auf den ersten Blick unspektakuläre aber wunderschöne Landschaft.
Sperrung des Naturschutzgebiets Müritzsteilufer
In der Verordnung über das Naturschutzgebiet findet sich kein Betretungsverbot.
Arroganz der Macht Die Sperrung erfolgte ohne Öffentlichkeit. Meine Interventionen zur Sperrung beim Landkreis, beim Nationalparkamt, beim Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt und beim BUND wurden mitleidig abgewiesen. Von der Gemeinde Rechlin ist mir gleichfalls keine Verlautbarung gegen die Sperrung bekannt.
Die Sperrung ist m.E. unnötig und widersinnig. Im Zeitraum vor der Schließung konnten sich dort all die schützenswerten Pflanzen- und Vogelarten erst so wunderbar entwickeln.
Wenn irgendjemand Mittel und Wege kennt oder Möglichkeiten hat, wunderschöne Landschaft wieder der winzigen Anzahl interessierter Normalos zugänglich zu machen, so sollte er sie unbedingt nutzen! Ich helfe gern.
Wann genau und von wem die Bolter Mühle gegründet wurde, konnten wir nicht zweifelsfrei
feststellen.
Angaben zum Gründungszeitraum reichen von 1665 bis 1670.
Fest steht jedoch, dass sie nicht, wie häufig im Internet zu lesen, "von den Johannitern aus Mirow
gegründet"
worden sein kann, denn die gab es zu dem Zeitpunkt schon lange nicht mehr.
Der Johanniterorden Mirow wurde um die Mitte des 16. Jahrhunderts (ca. 1550 - 1555) säkularisiert, wodurch der Besitz an das Land ging, hier an das Herzogtum Mecklenburg.
Es ist also das Wann, das Von-Wem oder beides falsch.Der Zeitraum der Gründung ist wahrscheinlich korrekt, denn 1669 soll die Retzower Mühle abgebrannt sein. Als Ersatz musste eine neue Mühle her, welche wahrscheinlich die Bolter Mühle war.
Die Bolter Mühle, sowie Leppin und Klopzow, gehören in den verfügbaren Quellen stets zu
Retzow, welches ca. 5 km südlich der Bolter Mühle liegt.
Ob die Retzower Brandmühle genau am gleichen Standort lag, wie die Bolter Mühle, lässt sich nicht
genau klären, ist aber wahrscheinlich.
Die Retzower Mühle und die Bolter Mühle sollen auf Leppiner Gemarkung gelegen haben. Leppin gehörte
zu Retzow.
Leppin befand sich ca. 2 km südlich der heutigen Bolter Mühle am nördlichen Ende des Hofsees.
Diejenigen, die um 1669 in Retzow das Sagen hatten, kommen als
Gründer der Bolter Mühle infrage.
Es waren nicht die Johanniter, wie nachweislich - aber knapp 400 Jahre vorher - bei der Boeker Mühle.
Vielleicht bringt ein Blick in die Retzower Geschichte Klarheit, die auch unabhängig von der Gründung der Bolter Mühle interessant ist.
Spekulation zu den Johannitern
Die Bolter Mühle wurde um 1669 gegründet.
Der Besitz der Johanniter ging spätestens 1555 an das Herzogtum
Mecklenburg.
Das kann sie entweder an mecklenburgische adlige Ritter
als Lehen vergeben haben oder sie als staatliches Eigentum selber verwaltetet haben.
Für ersteres spricht, dass Güter wie Retzow
oft an adlige Ritter verlehnt wurden.
Diese können gleichzeitig Mitglied der Mecklenburgischen Ritterschaft und
der Bruderschaft der Johanniter gewesen sein.
Die Johanniter als Vereinigung wurden ja nicht aufgelöst, es gibt
sie bis heute.
Die im 16. und 17. Jahrhundert in Retzow ansässigen Adelsfamilien von Kerberg und von Barnewitz -
gehörten ursprünglich zum Brandenburger Adel,
eine Zugehörigkeit zu den Johannitern oder zur mecklenburgischen Ritterschaft ist nicht bekannt,
sodass es unwahrscheinlich ist, dass sie vom Mecklenburger Herzog mit Lehen beschenkt wurden.
Es bleiben die von Retzows, bei denen zusätzlich eine Verbindung zu den Johannitern bekannt ist -
1298 verkauften sie den Johannitern Gaarz - eventuell auch das Land, auf dem
später die Bolter Mühle gebaut wurde.
Die Zuschreibung zu den Johannitern kann sich auch nur auf ehemals den Johannitern gehörendes Land beziehen.
Möglich ist auch, dass die Johanniter fälschlich von der Boeker Mühle übernommen wurden und alle weiteren davon abgeschrieben haben.
-
1294 wird Retzow erstmals als Rittergut der Familie von Retzow urkundlich erwähnt.
Die von Retzows, ursprünglich ein Brandenburger Adelsgeschlecht mit Sitz in Retzow im Havelland, kamen Ende des 13. Jahrhunderts nach Mecklenburg. Sie besaßen in Mecklenburg die Güter Gaarz, welches 1298 tatsächlich dem Johanniterorden Mirow verkauft wurde, sowie die Güter Rechlin, Leppin und Retzow.
-
1374 kauft die Familie von Kerberg (auch Kerkberg, Kerberc) die Güter Retzow und Rechlin.
Der Hauptsitz der Kerbergs war Krümmel.
Zu Beginn des 16. Jh.s teilte sich die Krümmeler Linie in das "Schwarze Haus auf Krümmel" und das "Weisse Haus auf Retzow und Klopzow".
Bis 1577 ist der Sitz der Kerbergs in Retzow nachgewiesen. Sie besaßen zusätzlich zu Retzow und Rechlin die Güter Leppin, Roggentin und Ludorf. -
Danach erwarb Carsten von Retzow das Gut Retzow - wann und wie genau ist unbekannt - und verpfändete es.
Wahrscheinlich war die Bolter Mühle im Pfand enthalten. - 1601 erwarben die Herren von Barnewitz die Pfandrechte für das Gut Retzow. Die von Barnewitz sind ebenfalls ein ursprünglich Brandenburger Adel mit Hauptsitz im Havelland.
- Vermutlich in den 1750er Jahren heiratete eine Christine Sophie Luise von Barnewitz (1735-1810) den königlich dänischen Obristleutnant Friedrich von Lowtzow (1715-1784). Dieser kümmerte sich u.a. nachweislich um den ersten Ausbau des Bolter Kanals und investierte ebenso in den Ausbau der Bolter Mühle.
- 1784 heiratete eine Fredericke von Lotwzow - vermutlich eine Tochter von Friedrich von Lowtzow und Christine Sophie Luise Barnewitz - Friedrich von Hammerstein-Gesmold. Da das Gut Retzow zu dieser Zeit in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte, geschah dies vermutlich, um das Gut zu retten, Liebe muss dem ja nicht im Weg stehen ;-). Die von Hammersteins sind ein finanzkräftiger rheinländischer Adel.
-
1787 kauft Friedrich von Hammerstein-Gesmold das Gut Retzow von seinen Schwiegereltern, ebenso kauft er Leppin, Klopzow, Roggentin, Rechlin und die Bolter Mühle. Er lässt ein großes Herrenhaus bauen und macht Retzow zu einem Vorzeige-Gut für Mecklenburg. Er lässt u.a. auch Anlagen der Bolter Mühle modernisieren. Bis 1926 bleibt Retzow in Teilen im Besitz der Hammersteins, die sich ab 1911 von Hammerstein-Retzow nennen.
- Ab 1911 gehen Teile des Gutes in Erbpacht an Otto Strümpfler, der auch Pächter der Bolter Mühle wird.
- 1914, zu Beginn des 1. Weltkriegs wurde ein großer Teil des Gutes enteignet und vom Land, bzw. den Heeresgruppen zum Bau des Rechliner Flugplatzes übernommen. Nach dem 1. Weltkrieg gelangt Retzow durch Inflation und verlorene Kriegsanleihen in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
- 1926 kaufte der Holzhänder Josef Törck die Reste des Gutes Retzow, so auch Teile der Bolter Mühle von den von Hammersteins.
-
1933 begannen die Nationalsozialisten mit dem Aufbau der Erprobungsstelle der deutschen Luftwaffe in Rechlin.
Kampfflieger und Bomben wurden hier getestet.
Die gesamte Region südöstlich der Müritz wurde zur militärischen Sperrzone erklärt. Auch Retzow blieb davon nicht verschont. Das Dorf blieb zwar formal bestehen, aber große Teile wurden enteignet. Dazu gehörten die Orte Leppin, Klopzow und Roggentin, die von der deutschen Wehrmacht übernommen und vollständig entvölkert wurden, um die Flächen als Bombenabwurffelder zu nutzen. - 1935 übernimmt der Reichsverband der Deutschen Luftfahrtindustrie das Gut Retzow von Herrn Törck zwecks Vergrößerung der Erprobungsstelle Rechlin.
-
1939 begann mit dem Zweiten Weltkriegs in Retzow der Bau eines Barackenlagers für ein Luftwaffenbaubataillon.
Ab 1940 wurde dieses Lager vom Reichsarbeitsdienst (RAD) genutzt, später waren Zwangsarbeiter in den Baracken untergebracht.
Ab 1944 war Retzow Standort eines Außenlagers des Konzentrationslagers Ravensbrück - zuerst für männliche Häftlinge, dann für Frauen.
So war der große Saal des Gutshauses - heute Schloss Retzow - als Vorsaal des Todes bekannt, hier aren zeitweise bis zu 700 kranke arbeitsunfähige Frauen untergebracht. Heute erinnert die Gedenkstätte KZ Retzow daran. - 1945 wird Retzow von der Sowjetunion durch die Rote Armee befreit.
- Von 1945 bis 1951 wird das Gutshaus Retzow als Flüchtlingsunterkunft genutzt.
- Von 1951 bis 1994 diente es vielen alten Menschen als Altersheim.
- In den 1960er und 1970er Jahren wird unter Führung der DDR die LPG Retzow zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb mit einer großen landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte für Tierproduktion aufgebaut, mit Vorbildfunktion über den Bezirk Neubrandenburg hinaus.
- Nach 1990 wurde die LPG aufgelöst. Das Guthaus und viele Ländereien gingen in den Besitz des Landes und der landeseigenen Liegenschaftsverwaltung über.
- Das ehemalige Ferienlager der LPG Retzow am Ostufer des Woterfitzsees wurde bis 1990 weiter genutzt. Der Abriss des Ferienlagers, in dem sich jeden Sommer bis zur Wende tausende Kinder erholen konnten, erfolgte ab 2010 unter Regie des staatlich finanzierten Vereins "Nationale Naturlandschaften" als "naturschutzorientierte Maßnahme", um einen "belasteter Schandfleck" zu entfernen. Einzelne Gebäude stehen noch heute.
- 2012 erwarb nach langjährigem Leerstand der Däne Lars Fogh das Gutshaus und restaurierte es, siehe Schloss Retzow.
Wer eindeutig die Bolter Mühle gegründet hat, lässt sich anhand der Retzower Geschichte eingrenzen auf die Familien von Retzow und von Barnewitz. Eindeutig geht das jedoch nicht hervor.
Klar ist aber, dass das Schicksal der Bolter Mühle wesentlich enger mit Retzow als mit Boek zusammenhängt, denn hätte Christine Sophie Luise von Barnewitz nicht Friedrich von Lowtzow geheiratet und hätte dieser nicht das Geld gehabt, den Bolter Kanal auszubauen, gäbe es heute sicher nicht die Bolter Mühle, dafür aber vielleicht noch die Boeker Mühle.
Unter Geopolitik verstehe ich Politik bezogen auf geografische Gegebenheiten.
Wassermühlen entstanden um die Müritz herum ab Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts. Sie waren in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung: Wassermühlen wurden genutzt:
- zum Teil natürlich zum Mahlen von Getreide
- zum großen Teil wurde aber auch die mechanische Energie des Wassers für das Bauhandwerk für Gipsmühlen, Sägemühlen, Hammerwerke genutzt. Das blieb auch nach dem Bau von Windmühlen so, da die Energie aus Wassermühlen einfacher zu handhaben war und dauerhaft verfügbar war.
Zusätzlichen und teilweise gegenläufigen Einfluss auf den Mühlenbetrieb nördlich und südlich der Müritz hatte ab Ende des 19. Jh. die Schiffbarmachung von Elde und Havel.
Des Weiteren hatte ab den 1930-er Jahren die militärische Nutzung des Gebiets südöstlich der Müritz und die damit einhergehende
Enteignung der Güter und ihrer Mühlen große Auswirkungen.
So wurde nicht nur Boek und die Boeker Windmühle enteignet, die daraufhin verfiel, sondern auch das Gut Retzow mit Klopzow und Leppin.
Militär und Rüstungsindustrie hatten vordergründig aufgrund der dünnen Besiedelung einen Blick auf unsere Gegend geworfen, sicher teilweise auch aufgrund der Wasserwege.
Ab den 2000er Jahren wurde der Tourismus überproportional stark gefördert, zumindest in Rechlin. Die Müritz - als sogenanntes kleines Meer beworben - war dafür der ausschlaggebende Faktor, diesmal für die Lokal- und Landespolitik.
Wasserkraft versus Windkraft
Wasserkraft ermöglicht da, wo ausreichend Wasser, Fließgeschwindigkeiten und Gefälle vorhanden ist,
eine wesentlich höhere Leistung im Vergleich zu Windkraft,
da allein die Dichte von Wasser etwa 800 Mal größer ist als die der Luft
(Dichte geht linear in die Leistungsberechnung ein).
Windmühlen kommen nur durch ihre Größe, d.h. die Fläche der Rotorblätter überhaupt auf eine relevante Leistung.
Nicht nur mir ist unverständlich, warum heute die Wasserkraft bei uns so gut wie ungenutzt bleibt, da
hinsichtlich Primärenergie Wasserkraftwerke wesentlich günstiger und ressourcenschonender sind
(auch vglw. zu den unendlich vielen Solaranlagen) wenn auch im kleineren Maßstab.
Bezüglich des extensiven Solar-, Windkraft- und Speicherausbaus hoffe ich, dass wir uns baldmöglichst wieder
der Kernkraft (SMR) und Kernfusion zuwenden.
Das heißt, auch hier ist - wie überall - die Lage und damit die Geopolitik entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens und das Leben der Menschen. Die Geschichte der Bolter Mühle ist in vielerlei Hinsicht ein wunderbares Beispiel dafür.
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Wahrscheinliche Gründung der Bolter Mühle als Ersatz für die abgebrannte Retzower Mühle
Die Gründung der Bolter Mühle geht auf ihren Vorgänger, die auf Leppiner Gemarkung liegende Retzower Mühle, zurück. Die Retzower Mühle, auch Brandmühle genannt, brannte 1669 ab und war seitdem "wüst". Als Ersatz wurde die Bolter Mühle gebaut, veranlasst wahrscheinlich unmittelbar nach dem Brand im Jahr 1669 durch die Familie von Retzow oder durch die Herren von Barnewitz als die möglichen damaligen Eigentümer von Retzow (siehe Retzow und die Gründung). -
Nachweis im Verzeichnis der Warener Müller
Nachweisbar ist, dass die Bolter Mühle 1718 in dem Verzeichnis sämtlicher Warener Müller und Landmüller in drei Meilen Entfernung von der Stadt aufgeführt ist. Zu dieser Zeit muss sie schon einige Jahre existiert haben.
Zu Größe, Aussehen und Wirtschaftskraft gibt es keine Angaben. -
Ausbau der Bolter Mühle
Von 1773 bis 1774 soll die Bolter Mühle durch den damaligen Gutsherren von Retzow, den königlich dänischen Obristleutnant Friedrich von Lowtzow massiv ausgebaut worden sein (so berichtet Gerhild Meßner in ihrem Buch über die Wassermühlen an der Müritz), siehe auch Retzower Geschichte.
Genauere Angaben zum Ausbau sind nirgends zu finden. -
Erster Ausbau des Bolter Kanals
Der Herr von Lowtzow muss gute Verbindungen in die Politik gehabt haben, denn 1775 wurde der erste Ausbau des Bolter Kanals inklusive Schleuse fertiggestellt. Die Schleuse Bolt war dadurch noch nicht für Schiffe, aber zum Flößen von Holz nutzbar und die Bolter Mühle hatte damit einen sehr viel mächtigeren Zufluss als die Boeker Mühle bekommen.
(Quelle: Gerhild Meßner in ihrem Buch über die Wassermühlen an der Müritz) .Mit dem beginnenden Ausbau der Wasserwege - einerseits im Norden der Müritz über die Elde in Richtung Plau - andererseits im Süden über die Havel in Richtung Zehdenick, Fürstenberg - sank der Wasserstand der Müritz. Damit befanden sich die Wassermühlen um die Müritz in immer stärkerer Konkurrenz zueinander.
Das benötigten Müritzwasser reichte für die Schiffbarkeit beider Wasserwege und den gleichzeitigen Betrieb der Mühlen nicht aus, ohne die Entnahmemengen insbesondere an den Mühlen zu reglementieren.
Da hier verschiedene Länder und Herzogtümer beteiligt waren, war für einen Mühlenstandort nicht allein die Wirtschaftskraft, sondern auch der Einfluss auf die Politik ausschlaggebend.Hier muss der Herr von Lowtzow gute Lobbyarbeit geleistet haben, denn von der Wasserführung erscheinen beide Wasserwege gleich gut geeignet (von der Länge her erscheint der Boeker Graben sogar etwas kürzer).
Vergleich Boeker Kanal und Bolter Kanal:
Beide kommen von der Müritz und münden in den Caarpsee. -
Friedrich von Hammerstein übernimmt die Bolter Mühle
1784 heiratete Fredericke von Lowtzow - vermutlich eine Tochter von Christine Sophie Luise Barnewitz und Friedrich von Lowtzow - Friedrich von Hammerstein-Gesmold, ein Mitglied eines reichen Adels aus dem Rheinland.
1787 geht mit der Übernahme des Gutes Retzow auch die Bolter Mühle von den Barnewitzes und Lowtzows in den Besitz der Familie von Hammerstein-Gesmold über. Zu der Zeit soll die Familie von Barnewitz schon längere Zeit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt haben, sodass das Gut Retzow, wie auch die Bolter Mühle ein "recht wüstes" Aussehen gehabt haben sollen, was sich mit den von Hammersteins, die als finanzkräftiger Adel aus dem Rheinland bekannt sind, bald ändern soll.
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Nachweis des Standorts auf der Schmettauschen Karte
Die Bolter Mühle ist als Wassermühlenstandort nordöstlich von Klopzow südlich der Böcker Mühle auf der Schmettauschen Karte von 1788 verzeichnet.Eine Perle im Internet ist das Geoportal-MV welches nicht nur historische Karten, sondern umfangreiches Kartenmaterial zu vielen Themen öffentlich zur Verfügung stellt. -
Rezess von 1798 zur Regelung der Wasserentnahme aus der Müritz zur Havel
Die Müritz - als größter der fünf Seen der Mecklenburgischen Großseenplatte - bildet ein großes Sammel-Wasserreservoir zur Speisung von zwei Wasserstraßen:- Nach Norden speist sie die Müritz-Elde-Wasserstraße über Plau bis zur Elbe.
- Nach Süden versorgt sie die Müritz-Havel-Wasserstraße bis Fürstenberg zur Oberen Havel-Wasserstraße nach Berlin.
Diese Wasserstraßen gab es jedoch nicht von Anfang an, vielmehr begann man Ende des 18. Jahrhunderts diese erst als Wirtschafts- und Transportwege zu schaffen und für die Schifffahrt nutzbar zu machen.
Beteiligt am Auf- und Ausbau der Wasserstraßen waren drei Länder mit teils unterschiedlichen Interessenlagen:- Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin mit Interesse für möglichst viel Wasser für die Müritz-Elde-Wasserstraße,
- Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz mit Interesse für möglichst viel Wasser für die Müritz-Havel-Wasserstraße,
- das Königreich Preußen mit Interesse für möglichst viel Wasser ebenfalls für die Müritz-Havel-Wasserstraße und zusätzlich für die Obere Havel-Wasserstraße und die Rheinsberg-Zechliner Gewässer.
Nach lang andauernden Konflikten einigte man sich auf einen Kompromiss zu Wasserentnahmemengen, welche die Schiffbarkeit aller drei Wasserwege sicherte. Dieser Kompromiss wurde im Strelitzer Rezess am 23. April 1798 zwischen Mecklenburg-Schwerin und Preußen besiegelt, dem genau ein Jahr später, am 23. April 1799, auch Mecklenburg-Strelitz beitrat.
[Ein Rezess ist ein vertraglicher Vergleich unter Mitwirkung des Staates.]Die Wasserentnahmemengen aus der Müritz in Richtung Mecklenburg-Strelitz und Preußen wurden bestimmt durch die Abflüsse an der Boeker Mühle und der Bolter Mühle.
In der Vereinbarung unter Ziffer 7 des Rezess wird die Wassermenge für Preußen festgelegt:"bei der Bolter Mühle 30 Kubikfuß = 0,93 Kubikmeter pro Sekunde und bei der Böker Mühle 24 Kubikfuß = 0,74 Kubikmeter pro Sekunde, das heißt insgesamt 1,67 Kubikmeter pro Sekunde im Jahresdurchschnitt aus der Müritz zur Havel abfließen sollten".
Über diese Mindestabgabemenge ist Aufsicht zu führen und Preußen gegenüber Rechenschaft abzulegen.Es reicht aus, an diesen beiden Punkten die Wassermengen festzulegen, denn andere Abflussstellen nach Süden gab es nicht.
Der Wasserabfluss nach Norden ergibt sich aus der verfügbaren Restmenge. Diese kann bedarfsweise im Mecklenburg-Schwerinischen Gebiet am Ende der großen Seen durch die Schleuse Plau, gesteuert werden.Die Bolter Mühle war bereits vor dem Rezess der Schlüssel zur Havel-Wasserstraße, aber durch diesen Vertrag konnte der Betrieb nicht mehr allein nach Wirtschaftlichkeit erfolgen, sondern musste sich zusätzlich politischen Zwängen unterwerfen. Mit dieser neuen politischen Bedeutung war das Schicksal der Bolter Mühle besiegelt.
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Erste Müritzabsenkung
Mit der Regulierung und Schiffbarmachung der Elde von 1798 bis 1803 wurde die Müritz um 1,20 m abgesenkt auf 61,8 m ü.NN.
Das hatte wenig Einfluss auf die Bolter Mühle, da mit dem vorherigen Ausbau des Bolter Kanals schon ausreichend Vorsorge getroffen wurde.
Betroffen war jedoch die Boeker Mühle, an deren Müritzzufluss von Natur aus ein niedriger Wasserstand vorherrschte. -
Momentaufnahme zur Pachtsituation 1819
2013 besuchte uns eine alte Dame in der Bolter Mühle. Sie war ein Nachfahre einer der ehemaligen Pächter. Aus dem Kopf heraus schrieb sie alle Namen und deren Stellung der elf Leute auf, die 1819 in der Bolter Mühle wohnten. Die Frage, ob sie sich nicht im Jahrhundert geirrt habe, verneinte sie sicher (stimmt, 1918 war Strümpfler der Pächter). -
Eingang der Boeker Mühle
1825 brennt die Boeker Mühle ab. Sie wurde nicht wieder aufgebaut, was sicher mit der konkurrierenden Bolter Mühle und dem seit der Müritzabsenkung zu niedrigen Wasserstand zusammenhängt.
Damit konnte das Preußen vertragliche zugesicherte Wasser insgesamt 1,67m3/s nicht mehr geliefert werden und es verblieb allein die Bolter Mühle zur Speisung der Havel-Wasserstraße.
Zur Erinnerung: Laut Staatsvertrag von 1798 war Preussen zugesichert:- Wasserabfluss an der Boeker Mühle: 0,74 m3/s
- Wasserabfluss an der Bolter Mühle: 0,93 m3/s
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Zweite Müritzabsenkung
In Vorbereitung des weiteren Ausbaus des Bolter Kanals wurde die Müritz von 1831 bis 1835 ein zweites Mal abgesenkt, diesmal um 0,6 m auf 61,2 m ü.NN. -
Zweiter Ausbau des Bolter Kanals und Bau der Bolter Schleuse
Von 1832 bis 1837 wurde der Bolter Kanal zur Schiffbarmachung der Havel-Wasserstraße ausgebaut. Die Bolter Schleuse wurde um 1838 fertiggestellt. Damit entstand die erste durchgängig schiffbare Verbindung zwischen den Eldegewässern, der Müritz und Berlin.
Der Kanal existiert in dieser Form als "Alte Fahrt" bis heute.
Die Schleuse wurde 1956 gesprengt. Wenn man von der Müritz kommend zur Umtragestelle Bolter Mühle paddelt, kann man vor den Bootshäusern kurz vorm Ziel noch Reste der Schleusentore sehen. Ein großer Stein der Schleuseneinfahrt liegt übrigens als Relikt im Garten der Bolter Mühle. -
Änderung der Tax-Verzeichnisse der Bolter Mühle
Die Tax-Verzeichnisse der Bolter Mühle bei der Ritterschaftlichen Brandversicherung - zum ritterschaftlichen Amt Wredenhagen gehörig, änderten sich im Zeitraum 1829 und 1837.Aus den beiderseits - von Hammerstein und der Societät - attestierten Verzeichnissen geht hervor, dass 1837 neue Gebäude hinzugenommen aber auch alte Gebäude gestrichen worden sind. Die Versicherungssumme der Bolter Mühle erhöhte sich (um 250 N 2/3 Tal. - was auch immer das heißt).
Hammerstein gehörten neben Retzow die Güter Roggentin, Leppin, Klopzow und Bolter Mühle.
Die Bolter Mühle, im Brandkataster zu Klopzow gehörig, sollte - durch Hammerstein veranlasst - ein eigenes Verzeichnis bekommen, die Verzeichnisse von Klopzow und Retzow sollten aktualisiert werden. Im Zuge dessen bekam sie ein separates Verzeichnis im Brandkataster.Durch Herrn Kniesz liegen mir aus den Jahren 1829 bis 1853 interessante Versicherungsunterlagen vom Mecklenburgischen Landeshauptarchiv Schwerin vor, die ich hier aufgrund der fehlenden Veröffentlichungsgenehmigung nur auszugsweise zeigen kann, dafür aber mit "Übersetzung".
Inwieweit das von Bedeutung ist - ob es sich um eine Aufräumaktion des Barons in seinen Versicherungsunterlagen handelt, - kann ich nicht sagen. Sicher ist jedenfalls, dass spätestens 1837 an der Bolter Mühle die folgenden Gebäude existierten und ordnungsgemäß versichert waren :-)- Wohnhaus und Mahlmühle
- Gipsmühle
- Schneidemühle
- Scheune
- Stall
- Schweinekoben
Von Januar 1853 liegt ein Schreiben der Rostocker Landräte vor zur Löschung der Feuer-Versicherung der Bolter Mühle aus dem Ritterschaftlichen Brandkataster aufgrund des Austritts von Hammerstein aus dem ritterschaftlichen Kredit-Verein.
Sicher ist auch, dass die Bolter Mühle ab 1851 zum Gut Retzow gehörte und nicht mehr zu Klopzow. -
Ansicht, ca. 1840 - 1890
Von Frau Meßner haben wir ein Foto eines gemalten Bildes der Gebäude aus dem Zeitraum von 1840 bis 1890 zu verdanken.
Das Bild wurde aus der Perspektive des Schleusenwärterhauses gemalt, welches um 1838 gebaut wurde.
an der Bolter Mühle erkennt man noch die alte Gipsmühle, welche im Zuge des Umbaus von 1890 abgerissen wurde und in späteren Tax-Verzeichnissen nicht mehr auftauchte. -
Mühlenanlagen um 1840 - 1890
Die Mühlenanlagen bestanden zu der Zeit aus:- einem Gerinne mit einem Stelzenrad, was die Schneidmühle antrieb
- einem Gerinne mit einem großen unterschlächtigen Zuppinger Wasserrad, durch welches die Getreidemühle angetrieben wurde -
das Gerinne hatte einen Aalfang - ein Freigerinne zwischen den beiden Mühlenantrieben zum Abfluss des nicht benötigten Wassers
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Umbauplanungen führen zu Untersuchungen des Ministeriums
1851 plante der Baron von Hammerstein einen Umbau der Mühlenanlagen. Dies führte zu heller Aufregung im Mecklenburg-Schwerinischen Ministerium des Innern bezüglich einer möglichen Änderung der Wasserentnahme.
Die Pläne zum Umbau und die Verhältnisse vor Ort wurden von verschiedenen herzoglichen und amtlichen Stellen genauesten untersucht, genannt werden:- der Wege- und Wasserbaumeister Weir,
- der Wasserbaumeister Garthe aus Parchim,
- Landbaumeister Voß,
- der Geheime Amtsrat Drechsler zu Lübz,
- der Großherzogliche Flußbau-Commissarius Kammerrat Brandes.
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Staatsvertrag zwischen Preußen und Mecklenburg
Die Bestimmungen von 1798 wurden am 9.2.1887 durch einen Staatsvertrag mit Preußen ersetzt, welcher die Abflussmenge von 1.67 m3 auf 0,93 m3/s verringerte.
Dem späteren Erlass zum Ankauf der Bolter Mühle (1913) lag dieser Vertrag als Anlage bei.
Preussen verzichtete nun auch formal auf das Abflusswasser der Boeker Mühle, welches seit deren Niedergang 1825 nicht mehr floss, aber unter der Bedingung, dass die verbleibende Menge von 0,93 m3/s durch Mecklenburg zu jeder Zeit sichergestellt werden muss.
Quelle: siehe Schweriner Reskript zum Ankauf der Bolter Mühle -
Umbau der Mühlenanlagen durch Freiherr von Hammerstein
Hammerstein beantragte 1890 einen Umbau der Mühlenanlagen beim zuständigen Ministerium. Dem späteren Erlass zum Ankauf der Bolter Mühle lag die Genehmigung des Umbaus bei.
Die Genehmigung der "Flussbaupolizeiliche Konzession" wurde Hammerstein erteilt, mit der Auflage, dass 1 m3/s Wasserdurchfluss zu gewährleisten ist und zwecks direkter Kontrollmöglichkeit die entsprechenden Mess- und Stellvorrichtungen einzurichten sind.
Quelle: siehe Ankauf Bolter MühleDer Umbau beinhaltete folgende Erweiterungen und Änderungen:- Erneuerung des Fachbaums
- Bau deines Turbinenhauses
- Ersatz des Zuppinger Wasserrad (Antrieb für die Getreidemühle) durch eine Girard-Henschel-Turbine
- anstelle der 3 Mahlgänge + Graupengang neu nur noch: 2 Mahlgänge + Schrotgang und zusätzlich 2 bis 3 Walzenstühle
- Abbau der Gipsmühle und des Gipsschuppens
Die Mühle besaß damit:- ein Gerinne für die Schneidmühle für den Antrieb des Stelzenrads
- ein Gerinne für die mit der Turbine angetriebene Getreidemühle, in dem auch weiterhin das Aalgerinne für den Aalfang war
- ein Freigerinne zwischen den beiden Antrieben zum Abfluss des nicht benötigten Wassers
Turbine und Stelzenrad teilten sich den Durchfluss vom 1 m3/s. Bei der damaligen Fallhöhe von 2,80 m soll insgesamt eine Gesamtleistung von 25 bis 30 PS möglich gewesen sein.Aalfang
Der Aalfang war ein Nebenerwerb der Müller an Wassermühlen. Der Aalfang nutzt die Kombination aus Strömung + Hindernis + gezielter Führung, um Aale sicher in eine Reuse zu leiten.Nach dem Umbau wird die Mühle zeitverpachtet bis 1910.
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Mühlenbetrieb wird eingestellt
Nach Aussage des Schleusenmeisters Tiedt war die Mühle das letzte Mal am 1. Juli 1910 in Betrieb. Danach stand sie still, da kein Pächter mehr zu finden gewesen sein soll. Der letzte Pächter, der die Mühle auf Zeit gepachtet hatte, war ein Herr Stangenberg, der 1011 verzog.
Da die Mühle verlassen war, befürchtete Preussen, dass es zu einwm unregelmäßigen Wasserabflußm kommen könnte und dass der Wasserablauf von 0,93 m3/s nicht mehr generell gewährleistet werden könnte. Der Betrieb des Freigerinnes, der Schützen und Wehre war damals nicht automatisiert. Hinzu kam, dass es gewisse Spannungen gab zwischen Hammerstein und Schleusenwärter Tiedt, der für Mecklenburg den Abfluss kontrollieren sollte.
Preussen befürchtete, dass es zu Einschränkungen der Schiffbarkeit im Havelverlauf kommen könnte. Hinzu kam ein außergewöhnlich trockener Sommer 1911.Ohne Pächter verfielen auch die Mühlengebäude zusehends.
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Erbpacht durch Otto Strümpfler
Die Erbpacht durch Otto Srümpfler scheint ein abgekarters Spiel von Strümpfler und der Preussischen Regierung gegen Hammerstein gewesen zu sein.- Am 9. Juni 1911 gab Hammerstein die Bolter Mühle per Erbpachtvertrag an Herrn Otto Strümpfler zu Klopzow. Strümpfler hatte bereits Gutsteile in Retzow zur Erbpacht. Der Vertragslaufzeit sollte beginnen ab dem Johannistag, dem 24. Juni 1911.
- Schon vor Vertragsbeginn, am 17. Juni 1911, führt Strümpfler Verhandlungen zum Weiterverkauf der Mühle mit der Firma "Berlin-Meckenburgische Dampfschifffahrt Zeitz und Weidemann". Die Eigentümer der Firma sind Strohmänner der preussischen Regierung, denn es wird festgelegt, dass, falls der Verkauf nicht zustande kommen sollte, die Mühle an die Preussische Regierung verkauft werden soll. Strümpfler will nur die Wohn- und Wirtschaftsgebäude behalten und das Gut weiter bewirtschaften.
- Der Preussischen Regierung war bekannt, dass sowohl Hammerstein, wie aucch die Mecklenburgische Regierung einem solchen Verkauf zustimmen müssen. Daher wurde vorausschauend festgelegt, dass im Fall, dass der Verkauf an die Preussische Regierung nicht zustande kommt, Strümpfler dem Ankauf durch die Mecklenburgische Regierung zustimmt.
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Schweriner Reskript zum Ankauf der Bolter Mühle
Ein Reskript ist ganz allgemein eine rechtliche Verfügung bzw. ein amtlicher Erlass. Den hier ergangenen Erlass des Schweriner Ministeriums finde ich aus heutiger Sicht außergewöhnlich, zum einen, weil er umfassend und detailgenau ist vor allem aber deshalb, weil er die Belange von gleich fünf Parteien mit unterschiedlichen Interessenlagen in Einklang bringt und detailiert regelt:- des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin
- des Großherzogtums Mecklenburg-Strelitz
- der Preussischen Regierung
- des Erbpächters Otto Srümpfler
- des Eigentümers Freiherr von Hammerstein
"Allerhöchstes Großherzogliches Mecklenburg-Schwerinsches Reskript vom 21.11.1913 betreffend Ankauf der Bolter Mühle"
Quelle: ReproduktionsScan der Akte des Landesarchives Schwerin,
Vollständiges Dokument
Signatur 24916 (Veröffentlichungsgenehmigung liegt vor)
Der Erlass ist aus meiner Sicht ein Beispiel für eine damals noch mögliche
unkomplizierte Zusammenarbeit der Regierungen und Institutionen
auch bei unterschiedlichen Interessen.
Die umfassende, systematische und detailgenaue Abfassung hat mich überrascht.Im Wesentlichen verhindert der Erlass den Ankauf der Bolter Mühle durch die Preussische Regierung und sichert damit die Kontrolle der Mecklenburgischen Regierungen über die Wasserwege Müritz-Elde und Müritz-Havel.
Die Bestandteile im Detail:-
den Staatsvertrag von 1887 zur Festlegung der Abflussmengen aus der Müritz
Anlage A -
Vertrag zu Teilung und Verkauf der Bolter Mühle zwischen der Preussischen Regierung (über Mittelsmann Regierungsrat Franz Wiehler) und Erbpächter Otto Strümpfler vom 27. Februar 1912
Anlage D: Vertrag und Flächenregister
Der Vertrag sieht eine Aufteilung des Guts Bolter Mühle vor- Gebäude und Grundstücke der Wasser- und Mühlenanlagen: zum Kauf durch Preussen für 38.000 Mark
- Haus-, Hof-Gebäude und Grundstücke + Nutzstreifen auf gegenüberliegender Straßenseite: zum Verbleib beim Pächter
Die zu verkaufenden Gebäude und Flächen werden erst in Anlage J deutlich, siehe 9.
Der Vertrag wurde nicht umgesetzt für Preußen. Grund: Er bedurfte der Zustimmung des Landes Mecklenburg (Vorkaufsrecht) und der Zustimmung des Fideikomissbesitzers Hammerstein (Erbpachtrecht). Beide wurden nicht gegeben. Zu Fideikomiss siehe hier.
Mecklenburg übernahm aber später den Vertrag bezüglich der Gebäude und Flächen, siehe 8. Anlage H. -
Besprechungsprotokolle der Regierungen Mecklenburgs uns Preussens vom 19. Juni 1913 und 27./28. September 1912 an Bord des Dampfers Mark, in denen sich die Vertreter zum Kauf der Bolter Mühle durch Mecklenburg bis Ende 2013 einigten unter der Bedingung, dass der Wasserabfluus von 0,93 m3/s gewährleistet wird
Anlage E und F -
Kaufvertrag für Mecklenburg vom 19. Juli 1913
- Rückgabe der Erbpachtrechte für den Teil der Wasser- und Mühlenanlagen von Strümpfler an Hammerstein für 38.000 Mark
- Verkauf des Teils der Wasser- und Mühlenanlagen durch Hammerstein an das Land Mecklenburg für 42.000 Mark mit den gleichen Flächen und Gebäude wie von Preußen vorgesehen
Die Gelder wurden 1914 ausgezahlt.Der Landtag von Mecklenburg stimmte den Zahlungen zu und genehmigte den Ankauf.
Strümpfler und Hammerstein verkaufen also den nördlichen Teil. Neuer Besitzer ist die Großherzogliche Flussbaukommission. Für den verbleibenden Teil mit Wohnhaus, Scheune, Stall und Hof wird (in Summe ca. 2 ha) ein laut Grundbuch selbstständiges Grundstück gebildet, welches beim Gut Retzow verbleibt.Ab hier teilt sich die Bolter Mühle für einen kurzen Zeitraum in zwei Teile:
- den staatlichen nördlichen Teil, der alles was Wasserdurchfluss und Mühlenanlagen betrifft beinhaltet
- den privatwirtschaftlichen südlichen Teil, der das Wohnhaus mit Hof, Stall, Scheune und etwas Land für Vieh und private Landwirtschaft beinhaltet sowie eine kleine neue Fläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
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Wandlung - Abriss und Neuanfang
Die vollständige Vertragsabwicklung aus dem Reskript von 1913 mit Vermessung, Teilung und Grundbucheintragungen zieht sich über 15 Jahre bis 1928 hin. Vermutlich spielte der Erste Weltkrieg dabei auch eine Rolle. Am Bestand an Gebäuden änderte sich in den Jahren von 1909 bis 1928 nichts, wenn man davon absieht, dass sie seit 1910 nicht betrieben und nicht gewartet wurden und dadurch verfielen. Was passierte mit dem staatlichen Teil?Was passiert mit dem Wohn- und Wirtschaftsteil?Die alten Mühlenwerke und Maschinen wurden abgebaut. Der Turbinenlauf wurde geschlossen. Es verbleiben nur die Anlagen, die zum Abfluss und zur Abflusssteuerung notwendigen sind: das Freigerinne und der Schütz für das Gerinne.
Sie stehen unter Kontrolle der staatlichen Flussbaukommission. Aufsicht für die Anlagen übernimmt die Schleusenmeisterei. Sie werden in Folge ausschließlich genutzt zur Regulierung des Wasserabflusses zur Havel und des Müritz-Wasserstands.
Die Maschinen und Ausrüstungen werden an den Neustrelitzer Fabrikbesitzer B.Bentzin zum Schrottwert verkauft.Dem folgenden Kaufangebot Bentzins von 1914 stimmte die Flussbaukommission zu:Aufgrund der mir übermittelten Bedingungen für den Verkauf der alten Triebwerksanlagen und Maschinen der Mehl- und Schneidemühle der Bolter Mühle bin ich bereit, für die sämtlichen Teile mit Ausschluss der Turbine und der von der Turbine zur Antriebswelle und der Hauptschützenteile zur Turbine einen Gesamtpreis von 850,00 Mark zu zahlen, wenn die Großherzogliche Flußbau-Inspektion mir für den Transport der Gegenstände 1 - 2 Transportkähne kostenlos, außerdem gegenZahlung der Löhne mit einem geringen Aufschlag meinerseits mir 4 Mann aus der bei der Großh. Flußbau-Inspektion beschäftogten Arbeiterkolonne für den Abbruch und die Verladung zur Verfügung stellt.
Erst 1928 werden die Gebäude der Schneidemühle und Mahlmühle abgerissen.
Anstelle der Mahlmühle wird ein kleines Schützenbetriebshaus zur Bedienung des Schützes für den Freilauf errichtet - das heutige kleine Gebäude zwischen Mühlenbach und Wohnhaus.
Es verbleibt ein weiterer kleinerer Gebäudeteil der Mahlmühle, welcher die ehemals an die Turbine angeschlossenen Maschinen beherbergte. Das ist heute das hintere Nebengebäude der Bolter Mühle, welches aktuell als Lager und Werkstatt dient. Dieses Gebäude hatte zwei unterirdische Kellergeschosse, wovon wir das untere aus Sicherheitsgründen zuschütten mussten.Der Erbpachtvertrag mit Strümpfler wird aufgehoben (wann??). Für die Bolter Mühle, die bis dahin zum Ritterschaftlichen Landgut Klopzow gehörte, wird ein selbstständiges Eigentumsgrundstück "Bolter Mühle" gebildet, welches bei den Hammersteins verbleibt. Es besteht aus Wohnhaus, Scheune, Stall und Hof und einem zusätzlichen 20 x 10 Meter breiten Streifen Land gegenüber der Straße.
1919 pachtet Hammerstein den der Flussbaukommission gehörenden Teil zurück, auf drei Jahre - die Pacht wird 1922 auf weitere zehn Jahre bis 1932 verlängert.
Damit führt er die Bolter Mühle wieder zusammen, zumindest, was den Betrieb angeht und legt den Grundstein für den Fortbestand - nun als Hof und im folgenden als Gastwirtschaft.
Ob und inwieweit bei der Abwicklung der Bolter Mühle die beginnende militärische Beanspruchung des Gebiets eine Rolle gespielt hat (siehe Enteignungsgesetz von 1917 und Gründung Luftfahrt-Verein 1918), konnte ich nicht ermitteln. Es erscheint mir aber wahrscheinlich, denn für mich ist nicht nachvollziehbar, warum Hammerstein, seine erst 1891 umfangreich ausgebaute und modernisierte Mühle, wie es scheint, ohne großen Widerstand aufgibt. -
Aufschwung in den 1920er und 1930er Jahren
In den 1920er und 1930er Jahren herrschte ein reges Treiben auf der Müritz und dem Bolter Kanal. Nicht nur der Segelsport auf der Müritz, sondern auch die "Wasserstraße Berlin - Hamburg" - durch Kanal und Schleuse ermöglicht - erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. Wiederum profitierte die Bolter Mühle durch ihre Lage von diesem gewissen "touristischen" Aufschwung, insbesondere was die Sommermonate anging.
Gastwirtschaft, Fremdenlogis, Ausflugslokal
Die Bolter Mühle wird ab 1920 nur noch zeitverpachtet.
Zusätzlich zum Hof mit Vieh und Landwirtschaft wird eine Gastwirtschaft gegründet.
Um 1920 betreibt ein Carl Lambeck in der Bolter Mühle einen Gasthof mit FremdenlogisDas Foto zeigt eine Ansicht der Bolter Mühle zwischen 1919 und 1928.
Hier existiert das Gebäude der Mahlmühle noch, was 1928 abgerissen wird.
Die Leute auf der Brücke schauen in Richtung Schleuse.
Ansichtskarte der Bolter Mühle mit Ausflugslokal nach 1928
Quelle: Fotokopie von Gerald Schwörk
Diese Karte ist laut Rückseite auf die Zeit "um 1923" datiert, muss aber nach 1928 aufgenommen worden sein.Auf dem Bild existiert die 1928 abgerissene Mahlmühle nicht mehr, anstelle dessen aber das neue Schützenhaus links im Bild. Sichtbar ist die Brandmauer am Wohnhaus, die nach Abriss der unmittelbar angrenzenden Mahlmühle errichtet wurde.
Links auf der Wiese sieht man einen Mühlenstein.
Rechts im Bild ist das Dach des Stalls und im hinteren Bereich ein Teil der Scheune sichtbar.Die Gastwirtschaft soll ein beliebtes Ausflugsziel für Röbel, Rechlin und Waren gewesen sein. Besucher kamen per Boot über die Müritz, mit Pferdefuhrwerken, ersten Automobilen oder Fahrrad aus Retzow, Klopzow, Rechlin und Boek.
Auch der damals stark frequentierte Bolter Kanal und die Schleusungen an der Bolter Schleuse sollen dem Lokal zahlreiche Besucher beschert haben. Davon zeugt die Ansichtskarte.
Übersichtsplan
Ansichten vom Bolter Kanal aus den 1920er und 1930er Jahren
Die folgenden Ansichten vermitteln einen Eindruck vom Treiben auf dem Bolter Kanal und zeigen viele kleine Details, die für mancheinen schöne Erinnerungen wachrufen. Daher zeige ich sie trotz der schlechten Qualität.
Falls Sie genauere Informationen zu den Ansichten und der Datierung haben, geben Sie bitte gerne Rückmeldung, ebenso, wenn Sie weitere interessante Bilder beisteuern möchten.
Ansichten Bolter Mühle und Schleuse
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Pächter Riemer betreibt Schächterei und Tankstelle
1932 stellt der Pächter Wilhelm Riemer einen Bauantrag für einen Anbau an den Stall der Bolter Mühle zur Errichtung eines Schlachthauses. Dafür wurde eine Erweiterung des Stallgebäudes geplant.
Auf eine tatsächliche Erweiterung des Gebäudes um den Vorbau deutet nichts hin. Jedoch muss der Stall als Schlachterei genutzt worden sein. Teile dieses Gebäudes standen noch bis 2010. Beim Abriss des baufälligen Gebäudes 2010 wurden entsprechende Auffangbecken und Fliesen vorgefunden, die für einen Stall sehr untypisch waren.
Interessant ist der Kopfbogen von Herrn Riemers. Laut seinen Angaben betrieb er in der Bolter Mühle im Oktober 1932:- ein Spezialhaus für Wassersportler
- eine eigene Schlachterei mit Kühlräumen
- eine Tankstelle
Auch die moderne Schriftart finde ich ungewöhnlich für einen Kopfbogen aus dem Jahr 1932.
Hat Hammerstein Kenntnis von Erfahrungen le Forts?
Herr Riemer war bereits von 1925 bis 1926 Pächter der Boeker Mühle und des Krugs.
Ich zitiere aus dem Buch von Frau Messner zur Verhandlung in Güstrow am 5. Oktober 1926:
Frau Meßner beschreibt in ihrem Buch zur Geschichte der Boeker Mühle, dass der Boeker Gutsherr Stephan le Fort sehr schlechte Erfahrungen mit dem Pächter Riemer gemacht habe, was aus einem Brief le Forts an das zuständige Ministerium und aus einer Klage beim Amtsgericht Waren hervorgeht. Er zahle weder Pacht, noch wolle er ausziehen.
"dass der Mühlen- und Ackerbetrieb so verloddert sei, dass es große Kosten und lange Zeit beanspruchen würde, um die Mühlenpachtung wieder in den Normalzustand zurückzuführen"
Für mich stellt sich die Frage: Wieso verpachtet Freiherr von Hammerstein seine Mühle trotz dieser schlechten Erfahrungen seines Gutsnachbarn Baron le Forts an Riemer?
Haben sie nicht miteinander geredet oder gab es vielleicht andere Gründe? -
Militärische Beanspruchung des Gebiets
Bereits 1917 hatte das Preußische Kriegsministerium Ländereien der südlichen Müritzregion für militärische Zwecke beansprucht. Das betraf Flächen der Güter Lärz, Retzow, Rechlin, Klopzow und Bolter Mühle, Leppin, Roggentin und Ludorf.
Das konnte sicher nicht lange geheim bleiben
und spielte eventuell auch schon in den Jahren ab 1917 bei so mancher Entscheidung in den Gütern eine Rolle.
Die entsprechenden Enteignungsgesetze gab es ja schon lange davor.
Im August 1918 wurde die "Flieger - Versuchs- und Lehranstalt am Müritzsee" in Rechlin eröffnet.
Ein "Luftfahrtverein Waren e.V." kaufte seit dem systematisch Flächen der Güter auf, anfangs offiziell für die Albatros Flugzeugwerke. später für die "Erprobungsstelle des Reichsverbandes der deutschen Luftfahrtindustrie" und ab 1935 für die "Erprobungsstelle der Deutschen Luftwaffe" - kurz E-Stelle Rechlin.In den 1930er Jahren wurden Flächen im Bereich der Güter Klopzow, Leppin, Schillersdorf, Qualzow und Roggentin aufgekauft oder enteignet und ca. 1.300 Bewohner 1934/35 umgesiedelt. Die Dörfer Klopzow, Leppin und Roggentin wurden vollständig entsiedelt und dem Erdboden gleich gemacht, um Platz für die Erprobungsstelle der Luftwaffe zu schaffen.
Die Erprobungssstelle wurde ab 1935 zum zentralen Testgelände der deutschen Luftwaffe. Die gesamte Region südöstlich der Müritz wurde zur militärischen Sperrzone erklärt. Die Bewohner mussten ihre Höfe verlassen, Häuser wurden abgerissen, teils für militärische Zwecke umgebaut. Die ehemaligen Flächen dieser Orte wurden anschließend für Flugversuche, Bombentests, Rollbahnen, Werkstätten, Munitionsdepots und später Abschuss- und Trümmerfelder genutzt.
Die Erprobungsstelle diente der Erprobung aller Landflugzeuge, ihrer Triebwerke, Ausrüstungsgegenstände und Bodengeräte, die zur Verwendung in der Luftwaffe vorgesehen waren. Bei Flugzeugen bedeutete dies z.B. das Erreichen der geforderten Geschwindigkeiten, der Steigleistung, Reichweite, Gipfelhöhe, Festigkeit, Stabilität und Steuerbarkeit.
Die Erprobungsstelle entwickelte sich von 1931 mit weniger als 100 Mitarbeitern bis Ende 1943 mit insgesamt 4.078 Personen, davon weit über 50% Zivilangestellte. -
Bau des Mirow-Lärz-Kanals, Stillegung des Bolter Kanals
1936 wird der aus militärischen Gründen angelegte Mirow-Lärz-Kanal eröffnet. Der Mirow-Lärz-Kanal wurde in einer Rekordzeit von nur 10 Monaten gebaut.Damit war eine alternative Verbindung zwischen Müritz und Havel-Wasserstraße geschaffen worden, womit der Bolter Kanal für die Öffentlichkeit geschlossen werden konnte. Bolter Kanal und Bolter Schleuse wurden 1936 für den öffentlichen Betrieb geschlossen. Damit hatte die deutsche Wehrmacht freie Hand über das Gebiet, konnte ihre Waffen, Bomben, Munition und Boote testen.
Über das, was mit der Bolter Mühle ab diesem Zeitpunkt geschah, liegen mir keine Informationen vor.
Möglich ist, dass die durch die Schließung des Bolter Kanals fehlenden Besucher ersetzt wurden durch
die Ingenieure der Flieger- Versuchs- und Lehranstalt Rechlin, und später dann durch die bis zu
4.000 Personen, die bei der "Erprobungsstelle der Deutschen Luftwaffe" angestellt waren.
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Zweiter Weltkrieg
Über die Zeit des Zweiten Weltkriegs liegen mir keine Informationen zur Bolter Mühle vor. Wie die Mühle genutzt wurde, wer sie gepachtet hatte, wer in der Bolter Mühle wohnte, ob sie weiter als Gasthaus und Pension betrieben wurde - das alles ist mir nicht bekannt.
Eine sehr gute Beschreibung für die Region habe ich in den veröffentlichten Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung gefunden:
Falls Sie Näheres dazu wissen, steuern Sie bitte gerne diese Informationen bei.Kapitel 8. Geschichte und Technik in und um Rechlin (Norbert Biege),
Seite 71 bis 74.
Das Dokument ist frei verfügbar und ich kann es sehr empfehlen. Hier wird nicht nur über die Luftwaffen-Erprobungsstelle in Rechlin geschrieben, sondern auch über das KZ-Außenlager Retzow.
Das Kriegsende wird wie folgt beschrieben:Zitat:
Obwohl die Alliierten das Geschehen in Rechlin ständig verfolgt haben, was aus Luftbildaufnahmen ab 1942 ersichtlich ist, stand aber die Bombardierung deutscher Großstädte im Vordergrund. Der erste Angriff auf den Flugplatz Lärz ist am 24.Mai 1944 erfolgt, allerdings war Lärz an diesem Tag nur Ausweichziel. Am 25..8.1944 erfolgte ein gezielter Angriff auf die E-Stelle, während 22 Minuten wurden ca. 400t Bomben abgeworfen. Am 10. April 1945 erfolgte der zweite schwere Luftangriff auf Rechlin und Lärz, eine Gegenwehr erfolgte nicht mehr, das Ende der E-Stelle war gekommen. -
Nachkriegszeit - Militärisches Städtchen Rechlin
Zur Befreiung 1945 wird im oben genannten Dokument wie folgt berichtet:Zitat:
Bis zum 30. April 1945 hatten die meis- ten Familien der E-Stelle Angehörigen Rechlin verlassen. Beim Einmarsch der Roten Armee am 2. Mai 1945 stießen die Vorausabteilungen auf keinen Widerstand, die Anlage wurde durch den Betriebsleiter übergeben. Der Ort Rechlin wird zum militärischen "Städtchen" erklärt und in einen deutschen und sowjetischen Teil getrennt. Nach einer Volkszählung am 29.10.1946 hatte die Groß-Gemeinde Rechlin mit Flüchtlingen 1.800 Einwohner. Ne- ben Rechlin, Vietzen und Ellerholz gehörten auch Retzow, Kotzow, Boek, Amalienhof und Zartwitz dazu.Ab 1945 wurden in Rechlin Truppen der sowjetischen Luftstreitkräfte stationiert. 1950 wurde der von den sowjetischen Streitkräften genutzte Teil und der zivile Teil getrennt. Genaueres ist unter Rechliner Mauer nachzulesen.
Die bis zu 4.500 sowjetische Soldaten und die ca. 2.500 Rechliner Einwohner sollen sich gut vertragen haben.
Neben dem Militärgeländes in Rechlin-Nord wurde 1948 die Schiffswerft Rechlin gegründet, einer der größten Arbeitgeber am Ort.
Herr Krämer, der ehemalige Direktor, erinnert sich, dass es gute Kontakte und Unterstützung durch die sowjetische Administration gab, insbesondere bei der Kultur- und Jugendarbeit.Durch die Teilung geriet jedoch die Bolter Mühle etwas ins Abseits, zumindest, was ihre Lage hinter dem russischen Sektor betraf.
Zur Nutzung der Bolter Mühle oder zu deren Eigentumsverhältnissen ist mir nichts bekannt aus der Zeit. -
Teilung der Bolter Mühle
Nach dem aus dem Jahr 1948 vorliegenden Kartenausschnitt kam es zu einer Teilung des Grundstücks der Bolter Mühle.
Genannt werden ein Heinz Wiechmann und ein Paul Schütze. Die Trennlinie verlief direkt durch die Mitte von Wohnhaus und Stall.
Diese Trennung machte es dem späteren Eigentümer Herrn Zietz unmöglich, in die Bolter Mühle zu investieren. -
Abbruch und Stilllegung der Bolter Schleuse
Die Schleuse war ab Beginn der Sperrung 1936 bis Anfang der 1950er Jahre funktionstüchtig, aber für den öffentlichen Verkehr nicht nutzbar. Die Außerbetriebsetzung erfolge 1953/54 mit dem Zuschütten der Schleusenkammer und dem Abbau der Tore.
Für Details zur Schließung siehe Artikel der Müritz-Zeitung vom 15.Juli 2011 Damit war Stilllegung des Kanals für die Schifffahrt besiegelt.
Ein großer Stein der Schleuseneinfahrt liegt heute als Relikt im Garten der Bolter Mühle.Den Namen "Bolter Schleuse" hat der Ortsteil bis heute behalten. Jedoch wurde der Straßenname in der Postanschrift kürzlich von "Bolter Schleuse" auf "Boeker Mühle" geändert.
Nach "Zerstörung" der Schleuse wurde auch der Mühlengraben zugeschüttet, das genaue Datum ist mir nicht bekannt.
Das Wasser des Bolter Kanal teilt sich heute an dieser Stelle in drei Teile:- ca. 100 Meter unterirdisch etwa ab Ende der ehemaligen Schleusenausfahrt (heute Feriendorf Alte Fahrt und Kanuverleih) unter der Boeker Straße hindurch zur heutigen Kanu-Umtragestelle auf der anderen Straßenseite
- zur etwa 100 Meter südlich gelegenen Fischbruthalle der Müritzfischer, durch die Fischbecken hindurch und mündet ca. 200 Meter weiter östlich wieder in den Kanal
- über den später wieder reaktivierten Mühlenbach, dann unter der Boeker Straße hindurch und direkt zu den ebenfalls teilweise wieder reaktivierten Mühlenanlagen
 
Damit die Kontrolle des Wasserabflusses gewährleistet blieb, wurde etwa 100 Meter weiter südwestlich ein Überlaufwehr errichtet, auch als Überfluter bezeichnet.
Die Entscheidung zur Zerstörung der Bolter Schleuse und zur Stillegung des Bolter Kanals
ist aus heutiger Sicht unverständlich.
Ein wahrscheinlicher Grund könnte aus meiner Sicht Geldmangel gewesen sein: An eine Automatisierung des Schleusenbetriebs war damals noch nicht zu denken und der Betrieb von Schleuse und Schleusenwärterhaus für das Wasserstraßenamt war eventuell zu teuer.
Als weitere Grund wurde mir genannt, dass die Boeker Straße an dieser Stelle - damals noch unbefestigt - häufig absackte und das Geld für eine echte Straßenbefestigung schlicht nicht da war.
Auch hier wäre Hilfe nötig, um die wahren Ursachen herauszufinden. -
1960er bis 1980er Jahre
Aus dem Jahr 1965 liegt eine Karte vor, die zur Datierung hilfreich ist und die spätere Beanspruchung durch die Fischer erahnen.
Interessant sind die, um die verbliebenen geteilten Mühlengrundstücke herum, mit "WA" gekennzeichneten Flächen. Diese lassen die Vermutung zu, dass es sich um Flächen handelt, die für die Fischereigenossenschaft vorgesehen sind. (WA wie WAsserwirtschaft?).Schleusenwärterhaus und Gebäude der Wasserwirtschaft existieren noch.
Die Fischteiche sind noch nicht angelegt worden. Es existiert noch keine Fischbruthalle.
Bie 1992 ist die tatsächliche Abspaltung der Grundstücke dann tatsächlich erfolgt. .
Die Bolter Mühle diente zu der Zeit vier Familien als Wohnraum.
Prominenter Bewohner zu der Zeit war die Familie Engel, die einen kleinen Kiosk in der Bolter Mühle betrieb.
Ich schließe daraus, dass es so einsam nicht gewesen sein kann.
Frau Engel harrte als letzte Bewohnerin noch bis in die 2000er Jahre in der Mühle aus.
Zu der Zeit funktionierten die Öfen und Schornsteine schon lange nicht mehr sicher.
So soll sie in der ansonsten leeren Mühle von Wohnung zu Wohnung gezogen sein,
solange, bis auch der letzte Schornstein seinen Dienst versagte.
Des Weiteren versorgte sie eine Armada an Katzen, was sicher auch notwendig war bei den Herrscharen von Mäusen, die auch wir 2009 vorfanden.Zu den weiteren Bewohnern zählte die Familie Schlei. Die folgenden Fotos, bereitgestellt von Willi Schlei, zeugen von einer glücklichen Zeit in der Bolter Mühle.
Ansichten aus den 1960er Jahren
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"Aufbau Ost" scheitert in der Bolter Mühle
Ab der Wende 1989 gelangten finanzkräftige Akteure in die Gegend.
Das Feriendorf gegenüber der Bolter Mühle - "Alte Fahrt" genannt - wird aufgebaut, gemeinsam mit dem Feriendorf am Müritzufer.
Es entsteht das beliebte Müritzparadies. Das Feriendorf ist ein wunderbarer Ort für Familien: das Restaurant an der Müritz, ehemals "Seeadler", die wunderschönen Spielplätze, die Badestelle und die Ferienhäuser machen es zu einer echten Bereicherung.
Aktueller Eigentümer ist die "Feriendorf Bolter Kanal Holtkamp + Partner OHG".
Die Investoren hatten damals einen engagierten Mitstreiter, den Hamburger Diplom-Ingenieur Jürgen Zietz. Herr Zietz kaufte 1992 die Bolter Mühle, nicht ahnend, dass er sie nicht aufbauen konnte.
Die Bolter Mühle sollte das Eingangstor zum Feriendorf werden, aber er hatte nicht so viel Glück, wie Holtcamps und Co., denn es gelang ihm nicht, die geteilten Grundstücke der Bolter Mühle zu vereinen. Das aber wäre die Voraussetzung für bauliche Investitionen gewesen.Um den Zustand der Bolter Mühle war es schon ziemlich schlecht bestellt. Die Dächer waren undicht, die Schornsteine kaputt, die Nebengebäude verfallen.
Herr Zietz kümmerte sich um die dringendsten Reparaturmaßnahmen und um die Sicherung.
Gemeinsam mit der Gemeinde Rechlin sorgte er für die Müll-Beräumung des Mühlenbachs. Er schmiedete Pläne zur Restaurierung der Bolter Mühle, einschließlich Renaturierung des verschütteten Mühlenbachs. Er konzipierte ein Extra Wohnhaus auf dem Gelände für die letzte Bewohnerin (und Eigentümerin?), Frau Engel.Er beauftragte Herrn Kniesz, den damaligen Leiter des stadtgeschichtlichen Museums in Waren mit der Recherche nach Informationen zur Geschichte der Bolter Mühle.
Den beiden haben wir den Großteil der hier veröffentlichten Informationen zu verdanken.Im Bild: das damalige Nutzungskonzept
Ich kann nicht sagen, woran es letztendlich lag, dass die Pläne scheiterten,
ob es die Liegenschaftsgesellschaft der Treuhandanstalt war
oder ob an Frau Engel lag.
Fakt ist aber, dass aus den geteilten Grundstücken irgendwann ein gemeinsames wurde - wann und wodurch weiß ich auch hier nicht - Herr Zietz muss jedoch schon weit über 70 Jahre alt gewesen sein, seine Kraft war versiegt.
Fakt ist auch, dass uns dadurch viel Mühe erspart geblieben ist.Ansichten aus den 1990er Jahren
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Wiederaufbau
Im November 2009 kauften wir die Bolter Mühle.
Für den damaligen Zustand und den Umfang der Arbeiten verweise ich auf das Bautagebuch.Das Bautagebuch
2012 mussten wir die Veröffentlichungen im Bautagebuch leider stoppen, nicht, weil uns die Zeit fehlte - die war sowieso immer knapp, sondern weil sich das Bauamt ebenfalls sehr dafür interessierte. Aufgrund von Anordnungen des Bauamts kam es zu mehreren Baustopps. Die letzte Baugenehmigung erhielten wir im März dieses Jahres, 2026.
Insgesamt möchte ich aber eine Lanze für die Mitarbeiter brechen und hinzufügen, dass die Zusammenarbeit mit den Baubehörden trotz allem größtenteils gut war und die Mitarbeiter selber trotz des internen Drucks, vieler bürokratischer Vorschriften und Regelungen im Amt vielfach kooperativ waren.
Ich vermute, dass sie insbesondere bei den Nebengebäuden alle Augen zugedrückt haben, die möglich waren. Anders wäre es auch nicht möglich gewesen.Zum Bau
- Im März 2010 wurde mit der Sicherung begonnen,
- die Baugenehmigung kam im August 2010.
- Im Mai 2011 wurde Richtfest gefeiert und
- im Mai 2013 fand die Eröffnung statt.
- Der Innenausbau der beiden oberen Geschosse zog sich dann bis 2016 hin.
- Das Wasserschaurad der Gemeinde Rechlin wurde 2015 eingeweiht.
Das durch jahrzehntelangen Leerstand stark geschädigte Haupthaus wurde denkmalgerecht saniert, das ehemalige Schützenhaus und das ehemalige Lagergebäude mit zwei Kellergeschossen wieder instand gesetzt.
- Die Statik im Haupthaus wurde durch umfangreiche Stahlkonstruktionen verstärkt.
- Fachwerk und Holzbalken-Konstruktionen wurden saniert.
- 111 Fenster wurden allein im Haupthaus neu eingesetzt bzw. aufgearbeitet, 40 Fensterbänke saniert,
- 4600 Fassadensteine aufgearbeitet bzw. erneuert,
- 720 m2 Dachfläche mit alten, durch Rückbau gewonnenen und neuen Kirchenbiberschwänzen gedeckt.
- Ein Großteil der Balkenköpfe, der konstruktiven statischen Elemente und der Fassade konnte erhalten werden.
Die Liste aller Helfer würde Seiten füllen, und garantiert würde ich jemanden vergessen. Beim Bau haben uns unheimlich viele fleißige Helfer unterstützt. Die ganze Familie, alle Freunde und viele erstklassige Firmen haben mitgewirkt - ich nehme an, nicht nur, weil es ein Abenteuer war, sondern auch deshalb, weil es die Bolter Mühle war, deren Ausstrahlung und Kraft die Jahrhunderte überdauert hat und die sich immer wieder hochgerappelt hat.
Kleine Auswahl an Impressionen aus der Zeit des Wiederaufbaus
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Betrieb ist nicht halb so spannend wie Aufbau
- Die Bolter Mühle hat der Firma Minna-Server von 2012 bis 2023 eine Heimstatt gegeben. Viele Projekte und etliche Zeilen Code wurden hier entwickelt.
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Engagierte und erstklassige Angestellte haben den Betrieb möglich gemacht.
Viele Gäste hat die Bolter Mühle bewirtet und
vielen Urlaubern erholsame Tage beschert.
Viele Paare haben ihre Hochzeit hier gefeiert - bis zum heutigen Tag ist noch keines der Paare geschieden. - Von 2024 bis 2025 pachtete Familie Karpe die Bolter Mühle, um exotische Pflanzen und Hühner zu züchten. Hier scheint der Bolter Mühle jedoch ähnliches widerfahren zu sein, wie dem Baron le Fort mit Wilhelm Riemer an der Boeker Mühle.
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Ab April 2026 hat sich die Bolter Mühle in die Hände der Ferienhausverwaltung AllerleiMeer, Benita Röhl begeben -
vorerst zur Pacht - aber wer weiß, es wird so einiges gemunkelt.
Mit der Verpachtung an AllerleiMeer wurde noch vor deren Betriebsstart das ehemalige Schützenhaus zu neuem Leben erweckt. Es wird das Büro der Firma werden und nicht mehr nur ein Lagerort für halb ausrangierte Möbel.
Vielleicht erfüllt sich auch ein klein wenig die Vision von Herrn Zietz, dass die Bolter Mühle ein Eingangstor zum Feriendorf wird.
Wir hoffen, dass wir den Staffelstab demnächst weitergeben können
und derjenige, der ihn übernimmt,
gleichfalls Spaß und ein wenig Verantwortungsgefühl dem alten Haus gegenüber hat.
Wenden Sie sich bitte an uns, falls Sie Fehler entdecken oder weitere Informationen haben - insbesondere zu den Jahren zwischen 1930 und 2010.


